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deſſen Liebe ihr groͤßtes, ihr einziges Gut war, in dieſe grauſame Wahl zu ſtellen, wobei ſie Alles zu verlieren, Nichts zu gewinnen hatte, da die ſinnliche Natur voͤllig unabhaͤngig vom moraliſchen Willen iſt, — vermied ſie jede Beruͤhrung eines Gegenſtandes, uͤber welchen ſie frei und duldſam zu urtheilen ſich gewoͤhnt hatte.
Nicht wenig trugen Philemons philanthropiſch⸗ phyſiologiſche Vorleſungen, welche er ſeiner Geliebten zum Beſten gab, dazu bei, die duldſame Gemuͤths⸗ ruhe derſelben zu befeſtigen.
„Die ewigen Geſetze der Natur,“ ſagte er ihr einſt, dem Drange nachgebend, Anſichten mitzutheilen, welche er in ſich verſchließen mußte, in einer Welt, deren Einrichtungen durchaus ſeiner Theorie widerſpre⸗ chend organiſirt waren,„die Geſetze der Natur ſind zuweilen grauſam, ſie zerreißen unſer Herz, aber wir durfen und konnen ihnen niemals ungeſtraft wider⸗ ſtreben. Giebt es etwas Furchtbareres fuͤr uns als den Tod, dieſes Verſiegen unſerer Lebenskraft, dieſes Auf⸗ hoͤren zu ſein— und doch, wem koͤnnte es einfallen, dieſer Naturnothwendigkeit Trotz zu bieten? Dennoch thun die Menſchen gleich Thoͤrichtes, indem ſie den Sinnen Gebote auferlegen wollen, dennoch wagen ſie es, aus unwiderſtehlicher Triebe Kraft und deren Abnahme Verbrechen zu machen!
„Die ausſtrebende Manneskraft— von Thoren Schwachheit genannt— iſt nicht minder unbe⸗
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