Teil eines Werkes 
2. Bd. (1846)
Entstehung
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und daß ſie als uneigennuͤtzige Leidenſchaft in der Beob⸗ achtung des Anſtandes Schutz gegen alle Gefahren findet.

Der Entſchluß, welcher aus ſolchen Beobachtun⸗ gen und Erfahrungen unter gleichen Umſtaͤnden reſul⸗ tiren muß, iſt pſychologiſch eine Nothwendigkeit. Da es fuͤr Helenen weder in der Welt, noch in ihren Begriffen eine andere Ehre gab als den Schein, ſo galt es nur dieſen zu beobachten ſo weit es thun⸗ lich um die Vorzuͤge ihrer Perſon ſo hoch als nur immer moͤglich zu verwerthen. Sie hatte unter An⸗ derem durch ihren Verſuch eines ehrlichen Lebens⸗ wandels eine ſehr wichtige Entdeckung gemacht. Der ehrbare Schein, womit ſie ſich umgab, hatte zwar keineswegs ſie von Zudringlichkeiten des maͤnnlichen Geſchlechtes befreit, aber doch bewirkt, daß man ihr in dem Grade hoͤhere Preiſe fuͤr ihre Gunſt antrug, als ſie ſich unzugaͤnglicher und ehrbarer zeigte. Ja, ſie hatte beobachtet, daß es durch Zuruͤckhaltung und berechnete Sproͤdigkeit ſogar moͤglich ſei, eine vortheilhafte Partie zu machen.

Die geſetzgebende Weisheit des Jahrhunderts, welche ſo entſetzlich beſchraͤnkt in ihren Mitteln iſt, koͤnnte von dieſer Beobachtung fuͤr ſich Nutzen ziehen. Es handelt ſich nicht darum, mit Strenge auf die eheliche Ordnung zu ſehen, das Concubinat zu verhin⸗ dern, die Proſtitutionshaͤuſer zu ſchließen alle dieſe Maßregeln ſind dem Allgemeinen nutzlos, ja ſchaͤd⸗ lich, es handelt ſich darum, das weibliche Geſchlecht

Wien. 2. Vd. 2