Teil eines Werkes 
2. Bd. (1846)
Entstehung
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fahrungen wiederholen ſich. Helene ſtellt Betrachtun⸗ gen an uͤber ihren ſogenannten ehrlichen Lebenswandel. Sie findet es ſeltſam, daß ein ehrliches Maͤdchen lie⸗ derlichen Haushaltungen dienen ſoll. Will ſie ehrlich ſein, kann ſie nicht in ſolchen Dienſtverhaͤltniſſen blei ben, will ſie es nicht, warum ſoll ſie fuͤr elenden Lohn dienen, da ſie ja ſelbſt auf dieſem Fuße eine Frau ſein kann. Demungeachtet geht ſie aus einem Dienſt in den anderen zu Familien aller Standesklaſſen. Sie findet Dienſt bei Beamten- und Officierswitwen, welche Kuppelei treiben, bei Beamten, deren Weiber reiche Hausfreunde haben, bei Kaufleuten, welche ehe⸗ malige Maitreſſen geheirathet haben, endlich in vor⸗ nehmen Familien als Kuͤchenmagd wo Mann und Frau auf dem Fuße nobler Galanterie leben. Welche Betrachtungen knuͤpfen ſich an alle dieſe Er⸗ fahrungen! Helene uͤberzeugt ſich, daß dieſe ehren⸗ werthe Geſellſchaft, welche die proſtituirten Maͤdchen ſo grimmig verachtet und verfolgt, ſelbſt derſelben In⸗ duſtrie, denſelben Ausſchweifungen ergeben iſt, nur daß ſie gewiſſe Dehors beobachtet. Sie macht da⸗ her die merkwuͤrdige Entdeckung, daß die Ehre nur in einem verfeinerten, vorſichtigen Laſter, in einer vom Anſtande bemaͤntelten Ausſchweifung, und daß in dieſer Verfeinerung ihr ganzes Ge⸗ heimniß beſteht. Sie entdeckt ferner, daß die Wolluſt als Induſtrie in dieſer Verfeinerung einen weit reicheren Lohn und keineswegs allgemeine Verachtung,

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