Teil eines Werkes 
2. Bd. (1846)
Entstehung
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kleines Silberſtuͤck. Ihre Freude iſt kindiſch, muth⸗ willig, ausgelaſſen. Das war ſo leicht und ſchnell verdient! Sie weiß kaum, was mit ihr geſchehen, und was dieſe ſeltſamen Vergnuͤgungen ausgearteter Wuͤſtlinge zu bedeuten haben. Sie ſetzt ihre Abend⸗ promenaden fort immer mit demſelben Erfolg. Sie kauft ſich von dem verdienten Gelde warme Struͤmpfe, wollene Handſchuhe, ein Leibchen, einen barchentenen Unterrock, und wenn der Luxus hoch geht, ſtatt des Fetzens, in welchen ſie ihren Kopf huͤllt, eine wollene Haube.

Eines Abends wird. von Polizeidienern aufge⸗ griffen. Man ſchleppt ſie ſtoßend und ſchimpfend auf die Wachtſtube. Sie weint ein wenig, doch nicht lange. Man hat ſie auf dieſen moͤglichen 4 vorbereitet. Auf der Wachtſtube iſt es warm, in ihrer kalt. Des andern Tages bringt man ſie zum Verhoͤr. Es giebt wenig zu erheben uͤber ſie ſie hat weder Vater noch Mutter. Die Polizei vertritt Mutterſtelle an ihr und unterwirft ſie einer Zuͤchtigung, welche wahrlich nicht geeignet iſt, Zart- und Schamgefuͤhl in dem ungluͤcklichen Kinde zu erwecken. Sie ertraͤgt die Strafe mit einer fuͤr ſo zartes Alter bewunderungs⸗ wuͤrdigen Geduld. Ach, was ſind Schlaͤge fuͤr ſie, die ſchon ſo oft von ihrer Pflegemutter, von Jedermann, dem es beliebt, genugſam geſchlagen worden! Sie hat hereits jene wohlthaͤtig ſchuͤtzende Schwielenhaut, welche die Berliner Orthodoxie den Armen empfiehlt.