Teil eines Werkes 
2. Bd. (1846)
Entstehung
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niedertraͤchtiger Bettfrauen, welche von der Proſtitution leben.

2.

Helene iſt die Tochter der Fabrik des Herrn Bla⸗ ſius, naͤmlich das Kind der Liebe eines Arbeiters. Vater und Mutter hat der Tod hinweggerafft, das Kind iſt der Fabrik geblieben und das Perſonale der Arbeiter nahm es mitleidig auf ſich die Kleine zu er⸗ nähren. Es wurde von Almoſen erhalten bis zum zehnten Jahre. Dann trat ſie ein unter die Arbeite⸗ rinnen der Fabrik. Von Rel igionsunterricht hat ſie faſt Nichts genoſſen man hat ihr das Vaterunſer beten gelehrt, man hat ihr zur Noth die zehn Gebote beige⸗ bracht. Allein man hat ihr das ſechſte Gebot zu er⸗ klären vergeſſen. Wer kuͤmmert ſich auch um die Keuſch⸗ heit eines Proletarierkindes, wer um die Reinheit ihres Leibes und Herzens! Noth iſt das Gebot, welches alle Schickſale des Kindes beherrſcht Brot iſt das Hoͤchſte, was es vom Schickſale verlangen darf, ohne in den Augen der Menſchen fuͤr unbeſcheiden zu gelten. Keuſchheit von elenden Lumpen bedeckt, Keuſchheit der Seele und des Leibes waͤre ein laͤcherlicher Lurus fuͤr die Tochter der Fabrik. Wer wuͤrde ihre Reinheit beachten, wer einen Werth darauf legen! Ihre Ar⸗ muth, ihre verwaiſte Stellung gewähren ihr einen Freibrief der Schande. Ein keuſches Fabrikmaͤdchen wäre der Superlativ aller Lächerlichkeit. Kein Fabrik⸗