Teil eines Werkes 
2. Bd. (1846)
Entstehung
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veweiſen, nur der wilde Ausbruch einer unertraͤglichen Folterqual! und unſer kleines Fabrikmaͤdchen hat dies Alles mit angeſehen, und der Schatten des Elends iſt auf ihr Angeſicht gefallen.

Begleiten wir nun das Kind in die Manufactur. Welch ſturmiſches Wetter! wie der Wind pfeift und heult, wie heftig der kalte Regen auf die Steine ſchlaͤgt! die Erde iſt hart gefroren, der Nordwind ſchneidet die Luft, der Schnee verdeckt die Sonne. Es iſt fuͤnf Uhr Morgens, das Kind, in ärmliche Lappen gewickelt, geht vor Kaͤlte bebend die Gaſſe hinab. Arme Kleine! Das Blut iſt ihr erſtarrt, bis auf die Naͤgel; ihre Schuhe klaffen an vielen Stellen; ihre Fuͤße haben Froſtbeulen, und ſie ſchreitet muͤhſam weiter. Ihr Vater, ein Arbeiter in derſelben Fabrik, nimmt ſie auf den Ruͤcken, und ſetzt ſeinen Weg murrend fort, ſich zwingend, nicht zu fluchen. Das kleine neunjaͤh⸗ rige Maͤdchen, halb nackt, wird an einem grimmigen Januarmorgen in der Kälte und Dunkelheit zur Arbeit geſchleppt!

Nun iſt die Kleine in der Manufactur. Von dieſem Augenblick an hoͤrt ſie auf Kind zu ſein: ſie iſt eine gemachte Frau, unterworfen allen Muͤhſalen des reifen Alters. Neun Stunden des Tages ſind der Arbeit geweiht; was noch von den vierundzwanzig Stunden uͤbrig bleibt, gehort... wozu? Zu den Vergnuͤgungen der Jugend, zu den gluͤcklichen, un⸗ ſchuldloſen Erholungen des Kindes? Mit Nichten.