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Fabrikmaͤdchen ſieht ſich mit ſechs Jahren in eine Kindsdirne verwandelt, und wiegt in ſeinen Armen den halbnackten Bruder. Bald hat es nicht mehr die Kraft ihn zu ſchaukeln, ſondern geht ſtrauchelnd und ſchwankend mit ihm herum, dann ſetzt es ſich in den Thuͤrwinkel, oder ſchlendert in die Gaͤßchen, wo ſein Geiſt den Keim der kuͤnftigen Entwickelung empfaͤngt. Ein gluͤckliches Ungefaͤhr, wenn es dort gute Beiſpiele antrifft, und dennoch werden, im entgegengeſetzten Falle, ſich die honetten Leute einmal wundern uͤber ſeine Ver⸗ derbtheit.
So bringt das Kind ſeine neun erſten Jahre zu. Welche Kindeszeit! Abgewelkt, abgemagert, verzehrt von Kummer, der es bereits uͤberfallt, das Geſicht blaß und traurig, ob des Anblickes des Elendes, das es umgiebt, ſcheint es niemals jung geweſen zu ſein. Die ſanften Empfindungen des Herzens, der Friede und die Freude, die im Buſen des Wohlſtandes ent⸗ ſtehen, und ſich entfalten, hat es dieſe je gekannt? Das Leben iſt dem Kinde leer an Freude, an Ver⸗ gnuͤgung, an Hoffnung, an Brot. Seine Wohnung war die der Entbloͤßung; an ſeinem eigenen Herde war der Mann, der Herr der Schoͤpfung, Sclave der gemeinſten Beduͤrfniſſe, und hat ſein Elend nicht im⸗ mer mit Stillſchweigen ertragen. Wie oft liegt der Rohheit eines Gatten, der Gleichgiltigkeit eines Vaters, blos das Elend zum Grunde; wie oft iſt das heftige, grauſame Benehmen, das die Armen gegen einander
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