Teil eines Werkes 
2. Bd. (1846)
Entstehung
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Alles recht, Herr Enamel, Alles iſt in Ordnung.

Man kann es aus den Schneidezähnen immer abnehmen, und hier ſind ſie, mein Herr.

Und mit triumphirender Miene zeigte Herr Enamel auf die elfenbeinernen Zahnkronen in dem Munde des Kindes.

Jetzt gehen wir zu einer Andern, fuhr er fort.

Wir laſſen den Chirurgus ſeine zahnaͤrztlichen Un⸗ terſuchungen verfolgen, und beſchaͤftigen uns lediglich mit dem jungen Maͤdchen, welches laut der Zeugen⸗ ſchaft ſeiner Zaͤhne das neunte Jahr erreicht hatte, und voll Freude zu ſeinen Eltern lief, um ihnen ſein Gluͤck zu verkuͤnden. Es iſt aufgenommen! es wird nun Arbeitslohn erhalten! es hat Schneidezähne.

Unſer Fabrikskind iſt alſo neun Jahre alt, es iſt kein Kind mehr, es iſt eine Frau im Kleinen. Es hat ſeine jungen Jahre in Armuth und Hunger zuge⸗ bracht. Von dem zarteſten Lebensalter an, ohne Obhut ſich ſelbſt uͤberlaſſen, ganze Tage allein, hatte es nicht die Suͤßigkeit mutterlicher Liebe empfunden, durch das Elend fern gehalten, welches das menſchliche Herz er⸗ ſtarrt, vertrocknet, verhaͤrtet. Muß nicht die Mutter außer Hauſe arbeiten gehen, um ihre Tochter zu er⸗ naͤhren? Gott weiß, wie dieſe gehen lernt; nicht lange darauf nimmt ein zweites Kind die kleine Anzahl von Stunden oder vielmehr von halben Stunden in An⸗ ſpruch, welche die Mutter ſonſt der Arbeit zuwendete; dann folgt ein drittes, ein viertes, und unſer kleines