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und vierzig Naͤchte ſind voruͤber,— wie kann Sarah leben? Warum hat Gott Sarah in ſein Gericht ge⸗ zogen, da er doch Noah's Kinder und deren Weiber zu retten verſprach?“
Noah aber ſprach:„Thoͤricht biſt Du, Knabe, daß Du zweifelſt an Gott. Ich buͤrge Dir fuͤr Sa⸗ rah's Leben, denn Er hat es geſagt, daß er ſie ſchir⸗ men wird, welche meine Soͤhne lieben. Und waͤre ſie in dem Bauche eines Hais, ſie lebt— und läge ſie erſtarrt bei des Meeres Ungeheuern in der Tiefe— Du ſiehſt ſie wieder.“ Sem aber ſprach reumuͤthig: „Ich glaube Dir!“ Da verbreiteten ſich plötzlich Wohlgeruͤche, und ein ſanftes Wehen brachte ſonn⸗ durchgluͤhte Fruͤhlingsluͤfte. Der Spiegel des Waſſers kraͤuſelte ſich in ſanfte Wellen, und ein Anblick, wun⸗ derbar und reizend, zeigte ſich Sem's Augen.
Eine kleine Inſel von gruͤnendem Raſen, auf maͤchtige Cedern gebettet, ſchwamm langſam einher. Baͤume mit reifen Fruͤchten ſtreckten ihre uͤppig be⸗ laubten Zweige gen Himmel. In einem Gebuͤſche von Roſen, Lilien und Hyazinthen ruhte, auf weichem Mooſe, bluͤhend in Lebensfriſche und Geſundheit, ein reizendes Weib in ſuͤßem Schlummer, und ein Dach von Blättern ſchirmte ihre roſigen Wangen vor Son⸗ nengluth und Regen.„Sarah!“ ſchrie Sem jauch⸗ zend,„Sarah, Sarah!“ und ſeine Stimme brach und verſtummte in Thränen; Sarah aber erwachte, erbebte


