Teil eines Werkes 
1. Bd. (1846)
Entstehung
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Vater vor Gericht, das Weib verrieth ihren Gemahl, und ein Nachbar verleumdete den andern. Einſame, verlaſſene verhoͤhnte, beſchimpfte Fluͤcht⸗ linge wandelten die Guten und verbargen ſich vor der Menſchen Bosheit!

Verruchtheit galt fuͤr Klugheit, Hinterliſt fuͤr Gei⸗ ſtesgroͤße, Marktſchreierei fuͤr Kunſt, Betrug fuͤr Lebensweisheit. Die Richter waren ſchlimmer als die Gerichteten. Keiner war vor dem Andern ſicher, und das Leben war ein Kampf, worin der Schlech⸗ tere obſiegte. Die Wolluſt gab oͤffentliche Schauſpiele ſinnereizender Entbloͤßung, Ausſtellungen der Nacktheit, geile Spiele zur Schau geſtellter Gliedmaßen, ſcham⸗ loſe Wortſpiele und unfläthige Scherzreden, und den frechſten Kuͤnſtlern in den Tempeln der Schmach wur⸗ den Lorbeerkraͤnze auf das Haupt gedruͤckt, aller Ruhm wurde ihnen zu Theil, die der Begierde froͤhn⸗ ten, Gaukler wurden mit oͤffentlichen Ehren belohnt, und Narren in den Himmel gehoben, uͤberall ſchwang Mittelmaͤßigkeit den Scepter und alles Dichten und Trachten der Menſchen war boͤſe aufimmerdar.

Da aber der Herr dies ſah, wie der Menſchen Sinn ſich nicht abwandte vom Boͤſen, da reuete es ihn, daß er ſie erſchaffen hatte, und er ſprach: Ich will vertilgen und ausrotten von der Erde alles Leben, von den Menſchen an bis auf das Vieh, und bis auf das Gewuͤrm, und bis auf die Voͤgel unter dem Him⸗ mel, denn es reuet mich, daß ich ſie erſchaffen habe.