Teil eines Werkes 
1. Bd. (1846)
Entstehung
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ihnen bereiten wollte, daher gab er ihnen eine Friſt von hundertzwanzig Jahren zur Beſſerung. Allein, verſtockt harrten die Menſchen bei der Suͤnde aus. So lieb waren ihnen nicht Vater und Mutter, ſo lieb nicht ihre Weiber und ihrer Weiber Kinder, ſo lieb nicht ihre Bruͤder, Schweſtern, ſo lieb nicht der Schoͤpfung ganze Herrlichkeit, als die Suͤnde, die ſie mit ihren Augen verſchlangen, mit ihren Armen umſtrickten, die ſie umhalſ'ten und an ſich druͤckten mit aller Zaͤrtlich⸗ keit ihrer Natur!

An ſie verſchwendeten ſie die Liebkoſungen, die ſie ihren Gatten ſchuldeten, an ſie die Freundſchaft und die Großmuth, die Dankbarkeit, die Treue und Be⸗ harrlichkeit, und alle ſchoͤnen Regungen des Herzens, die ſie in dieſem Umgange erniedrigten. Ja ſelbſt die Anbetung, die ſie der Gottheit ſchuldig waren, brachten ſie der Suͤnde zum Opfer dar! Denn ſie beteten am Altare der Wolluſt und weiheten das Heiligſte dem Verderben!

Ein Jeder lebte nur fuͤr ſich, liebte nur ſeine La⸗ ſter, und hatte fuͤr die Andern Nichts uͤbrig als Neid, Haß, Verleumdung! Und Jeder ſprach im Wahnſinn der Verruchtheit:Nur ich will leben und gluͤcklich ſein, und ſollte Alles um mich her darob verderben! Nur ich will herrſchen, und mir ſollen Alle gehorchen. Nur fuͤr mich gebe es kein Geſetz, die Anderen moͤgen Sclaven ſein, und Jeder buͤße ſeine Laſter, nur ich nicht die meinigen. Nur mich ſoll man achten und