Teil eines Werkes 
1. Bd. (1846)
Entstehung
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kann nur mich ſelbſt anklagen. Hat man mich herab⸗ gewuͤrdigt.. warum ließ ich es zu? Hat man mich mißbraucht... warum hielt ich mich ſelbſt nicht heilig? Hat nicht der wohlthaͤtige Schoͤpfer in mein Herz je⸗ nes ſtarke Gefuͤhl fuͤr Recht und Tugend, fuͤr das Edle und Schoͤne gelegt warum habe ich es abge⸗ ſtumpft? Warum mich ſelbſt vergeudet an das Un⸗ wuͤrdige, Gemeine? Ich will nicht richten aber ſchrecken, und wenn der Tod aus mir ſpricht, wird es deſto ſchauriger die Gemuͤther ergreifen.

Soeben erhalte ich von Zums ein Billet. Eine Einladung zu einem muſikaliſch⸗declamatoriſchen Abend. Sorge fuͤr ein heiteres Declamationsſtuck, ſchreibt er mir. Wie ſoll ich meinen Augen trauen? ſie wird kommen, ſie, mein Ideal ſie wird mich ſehen, de⸗ clamiren hoͤren! O weh' mir welch' ein Stechen und Klopfen in meinem Gehirn ich muß enden⸗

den 18. Februar.

Ja, bei Gott, das iſt ein Declamationsſtuͤck wie ich es brauche! Mein Freund, der Dichter, hat mich verſtanden, die gute Seele er fuͤhlt nach meinem Pulſe! Ein Gemaͤlde der ſittlichen Verworfenheit die⸗ ſer Stadt, ein graͤßlicher Spiegel der fluchwuͤrdigen Zuſtände, die mich umgeben, und jener gottverleugnen⸗ den, wahnſinnigen Philoſophie der Verruchtheit und ihr Strafgericht! Das muß wirken auf dieſe vornehme, liederliche, mit allen Todſuͤnden behaftete Geſellſchaft,