Teil eines Werkes 
1. Bd. (1846)
Entstehung
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ſchaft complet machen zu können. Es gibt keine ge⸗ nuͤgende Erklärung dieſer traurigen Erſcheinung als die Wolluſt, das Gefolge ihrer Seuchen und Nerven⸗ uͤbel und jener furchtbaren Heilmittel, welche ſchlim⸗ mer ſind als die Krankheit. Welche ſchreckliche Ge⸗ maͤlde in den Hospitälern, Gebaͤr⸗ und Siechenhaͤuſern, in den Huͤtten der Armen, welche die Findelkinder auf⸗ ziehen! Aber noch weit trauriger als die phyſiſchen Erſcheinungen iſt das geiſtige Bild dieſer verderblichen Degradation. Wo iſt der Frohſinn dieſer luſtigen Wie⸗ ner, deren Schwänke alle Fremden ergotzten? Wo der geſunde, harmloſe Mutterwitz dieſes Voͤlkleins lachen⸗ der Philoſophen? Wo die harmloſe, gemuͤthliche Herz⸗ lichkeit, welche Jedermann mit freundlichen Dienſten entgegenkommt, dieſes heitere Leben und Lebenlaſſen, welches einſt Wien ſo angenehm machte? Man be⸗ ſuche dieſe Schauplatze der jetzigen Volksvergnuͤgungen, dieſe Bierhäuſer, öffentlichen Gärten, wo ungeheure Menſchenmaſſen bei einer lärmenden Muſik ſchweigend oder fluſternd, ja faſt traurig beiſammen ſitzen, dieſe oͤffentlichen Baͤlle, wo ſtatt der ſonſtigen Froͤhlichkeit man jetzt Nichts findet, als ekelhaft bruͤnſtige Taͤnze, in welchen ſich thieriſche Begierden in frecher Umſchlin⸗ gung zu Tode keuchen. Man trete auf den Schau⸗ platz des Lebens! Welch' ein Kampf, welche Caba⸗ len, Chicanen, Intriguen, Verleumdungen, gegenſeitigen Verfolgungen, welche Treuloſigkeiten in Wort und That, welche giftigen Blicke des Haſſes und eiskalte