ängſtlich vermieden, die Religion, wie man ſich aus⸗ druckte, in ihre heiligen Rechte eingeſetzt. Liguorianer nahmen es auf ſich, die Keuſchheit zu befoͤrdern, ſie errichteten ein Kloſter von freiwilligen Buͤßerinnen, welches der Wiener gerade Verſtand ohne Weiteres ihr Serail nannte; wir wollen ſehen, was fuͤr Zuſtände hieraus erfolgt ſind.
Wer nur dreißig Jahre denkt, hat Gelegenheit zu Vergleichungen und Beobachtungen, welche ſchrecklich ſind. Noch vor dreißig Jahren war die Mehrzahl des Wiener Volkes ziemlich kraͤftig gebaut, hoch und ſchlank gewachſen, von einer der edelſten Menſchenracen halb aſiatiſchen Urſprungs. Das weibliche Geſchlecht, we⸗ gen ſeiner Schoͤnheit in ganz Europa beruͤhmt, ver⸗ einigte Grazie mit Geſundheit, die Sitten waren zwar ſchlecht, aber noch ſah man die ſchrecklichen Folgen ihres Verfalles nicht. Jetzt iſt das Bild dieſer Folgen vollendet! Man beſuche die oͤffentlichen Oerter, wo ſich große Maſſen des Volks verſammeln. Welche verkruͤppelte, armſelige, Mitleid erregende Geſtalten, welche zwerghafte Generation, welche aſchgraue Ge⸗ ſichtsfarbe, welche ſieche, ſkrophuloͤſe, mit Geſchwuͤren, Finnen und Flechten bedeckte Kinder! Weiche hekti⸗ ſchen, verwachſenen, engbruͤſtigen Weiber! Ich ſpreche nicht von Einzelheiten, nur von der Geſammtheit. Es iſt eine bekannte Thatſache, daß das Regiment Hoch⸗ und Deutſchmeiſter, deſſen Werbbezirk Wien umfaßt,
das alte Militaͤrmaß herabſetzen mußte, um ſeine Mann⸗ Wien. 1. Bd.


