Teil eines Werkes 
1. Bd. (1846)
Entstehung
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ploͤtzlich eine junge Frau zu ſeinen Fuͤßen. Schluch⸗ zen, Krämpfe, Vorboten einer Ohnmacht, überzeugten den Kaiſer, daß er es hier nicht mit einer jener ge⸗ meinen, abgeſtumpften Verbrecherinnen zu thun hatte, welche ſolchen Schmerzes unfaͤhig ſind. Man leiſtete ihr Beiſtand, und nun erzaͤhlte ſie ihre Geſchichte. Welch' eine Scene fuͤr des Kaiſers edles Herz! Die Sache wurde unterſucht, wahr befunden, die Schuldigen beſtraft, die Ungluͤckliche befreit und entſchaͤdigt. Aber Alles dies war dem Herzen des Kaiſers nicht genug. Er ſah, daß er ſein Volk nur durch große Reformen vor ähnlichen Mißhandlungen von Seiten verruchter Behoͤrden ſchutzen koͤnne, und er ließ keinen Tag ver⸗ gehen, ohne ſeinem Volke eine dauernde Wohlthat zu erweiſen: Aber mit aller Macht ſeines Geiſtes war er nicht im Stande, die freche Sittenloſigkeit ſeines Adels voͤllig zu unterdruͤcken, aber er ſchreckte ſie, er ſchutzte ihre Opfer, und ſtellte Gleichheit vor dem Geſetze her. Unter ſeiner Regierung nahm die freche Zuͤgelloſigkeit der adeligen Verfuͤhrer wenigſtens ab, man hoͤrte mehr oͤffentliche Scandale, aber der heimlichen Verbrechen wurden taͤglich weniger.

Seine Nachfolger glaubten ſeinem Geiſte wieder entgegenwirken zu muͤſſen. Die Ehegeſetze wurden wieder ſtrenger, die Polizeivorſchriften hinſichtlich der fleiſchlichen Verbrechen und Vergehungen verſchaͤrft, die Praris der Geſetzgebung gab wiederRuͤckſichten fuͤr Vornehme Raum, das oͤffentliche Aergerniß wurde