Teil eines Werkes 
1. Bd. (1846)
Entstehung
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des hohen Adels betrachtete. Vornehme Wuͤſtlinge kauften die Kränzchen der ehrbarſten Buͤrgerjungfrauen, oder blieben, wie wir geſehen, nach hochadeliger Gewohn⸗ heit den Preis fuͤr dieſe Genuͤſſe eben ſo ſchuldig wie für andere. Gab es dann etwa eine Klage, ſo erhielt der Cavalier vielleicht einen Verweis; war es etwa noch ein Juͤngling, ſo wurde er zu Hauſe ein wenig mit Ruthen geſtrichen, aber das Maͤdchen kam ohne weitere Um⸗ ſtaͤnde in das Zuchthaus.

Ein Fall dieſer Art bezeichnet ganz das damals ubliche Verfahren. Ein Herr Baron hatte ein armes, aber hoͤchſt tugendhaftes Maͤdchen, da er ſie nicht an⸗ ders gewinnen konnte, geheirathet. Die Neuvermaͤhlten lebten einige Zeit gluͤcklich, der Herr Gemahl aber war zuweilen ſehr unruhig, ein Gemuͤthszuſtand, welcher bald eine furchtbare Erklärung fand. Es erſchien naͤm⸗ lich plotzlich eine Dame aus Bruͤſſel im Hauſe des Barons, welche ſich als die Gemahlin deſſelben auswies, und den der Bigamie ſchuldigen Eheherrn mit einer furchtbaren Verantwortung bedrohte. Der ungluͤckliche Geangſtigte warf ſich ſeiner zweiten Gattin zu Fuͤßen, geſtand, daß er ſchon fruͤher vermaͤhlt geweſen ſei, und ſo wurde das ungluͤckliche Geſchoͤpf bewogen, zur Ver⸗ heimlichung des geſchehenen Verbrechens beizutragen, und ſich fuͤr die Maitreſſe des Barons zu erklaͤren. Nit dem Muthe einer wahrhaft tugendhaften Liebe entſagte ſie dem Beſitze, dem Vermoͤgen ihres Ge⸗ mahls, und erklaͤrte vor Gericht, was man von ihr

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