Teil eines Werkes 
1. Bd. (1846)
Entstehung
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blick ſeine Wuͤnſche zu gewaͤhren. Von den Drohun⸗ gen des Betrogenen verfolgt, warf ſie ſich dem Kaiſer zu Fuͤßen und erzählte ihm den Hergang. Der Kaiſer erlaubte ihr, das Geld zu behalten, und verwies dem Cavalier ſeine Verfuͤhrungspraktiken. Dieſes ſalomo⸗ niſche Urtheil iſt zwar nicht uͤber alle Kritik erhaben, aber gewiß tadellos ein anderes in einem aͤhnlichen Falle. Ein junges, ſchoͤnes Fraͤulein aus guter aber verarmter Familie gab ſich einem jungen Wuͤſtling gegen Zuſicherung einer gleichen Summe preis. Die Erſtlinge der Ungluͤcklichen wurden gepfluͤckt, aber der Preis nicht bezahlt. Auch ſie wandte ſich an den Kaiſer, der den nichtswuͤrdigen Wuͤſtling zur Zahlung anhielt, und ihm obendrein eine betraͤchtliche Buße, an die Armenkaſſe zahlbar, auferlegte.

Man ſieht hieraus, wie die Sache unter Maria Thereſia geſtanden. Waͤhrend Frauen und Maͤnner aus dem Volk wegen fleiſchlicher Suͤnden die fuͤrchter lichſten Strafen erduldeten, junge Maͤdchen aus dem dienenden Stande auf der Folter ſtarben, war in den vornehmen Staͤnden Vergebung der Suͤnden. Wenn es hoch kam, ſo gab es eine, von der muͤtterlichen Kai⸗ ſerin angeordnete häusliche Zuͤchtigung bei ver⸗ ſchloſſenen Thuͤren, wobei die Außenwelt ſelten Etwas vernahm. Allein das Volk wurde oͤffentlich ausge⸗ peitſcht, in Zuchthaͤuſer und Gefaͤngniſſe geworfen, ge⸗ vrandmarkt und beſchimpft wegen derſelben fleiſchlichen Vergehungen, welche man nur als ein Privilegium