Teil eines Werkes 
1. Bd. (1846)
Entstehung
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blaues Auge mit einem keineswegs blos landesväterli⸗ chen Wohlwollen auf manche ſchoͤne Dame geworfen. Die Kaiſerin aber liebte ihn wegen ſeiner Herzensgüte demungeachtet ſo ſehr, daß ſie ſelbſt jenen Perſonen nicht gram ſein konnte, welche als ſeine beguͤnſtigten Freundinnen galten. Als er ſtarb, glaubte Jedermann die Fuͤrſtin, welche Franz beſonders ausgezeichnet hatte, verloren, aber Maria Thereſia ging mit der ihr eigenthuͤmlichen herzlichen Raſchheit auf ſie zu, ergriff ſie gutig bei der Hand und ſagte in Thraͤnen ausbre⸗ chend:Wir haben viel an ihm verloren! Zeitlebens legte ſie die Trauer nicht mehr ab und gab ſo einen gewiß ruhrenden Beweis von der Wahrheit, daß we⸗ der die Natur, noch Gottes Geſetze dem menſchlichen Herzen einen Zwang auferlegen, noch ihm jene wilden Schmerzen und Rachegefuhle einer durch Nichts zu ver⸗ ſoͤhnenden Eiferſucht eingeimpft haben, womit erſt die naturwidrigen Gedanken der Prieſter das weibliche Herz befruchtet haben.

Kaiſer Joſeph ſchaffte alle jene ſtrengen und tho⸗ richten Strafgeſetze ab. Er ging, zum Aergerniß fur die Geiſtlichkeit, von der Anſicht aus, daß alle Keuſch⸗ heitsſunden gar nicht vor den Stuhl der weltlichen Gerichtsbarkeit gehoͤrten! Alſo ſelbſt ein Blutſchänder, ein Ehebrecher, ein Sodomit waren nicht ſtraffaͤllig! Welche Anſichten! Es wurde bei dieſen Verbrechen nur auf Beſchaͤdigungen Strafe geſetzt. Es war alſo er⸗ laubt, Maͤdchen zu verfuͤhren(Schadenerſatz abgerech⸗