entſpringen, ſo viele, daß man keiner Wunder bedarf, um die Seelen ſeiner Zeitgenoſſen zu erſchrecken. Der oͤſterreichiſche Hof war ſeit Maria Thereſia bemuͤht die Unſittlichkeit zu vertilgen, aber er hat die rechten Mit⸗ tel nicht ergriffen. Die fromme Maria Thereſia ließ eine Keuſchheits⸗Commiſſion errichten mit ſehr ſtrengen Inſtructionen, aber die Herren Commiſſaͤre trieben ihr Geſchaͤft, des Nachts in die Schlafkammern von ſchoͤnen Frauen und Fräuleins zu dringen, Attra⸗
pen zu veranſtalten, mit ſolchem Vergnuͤgen, und ge⸗
waͤhrten Vergebung und Verborgenheit der entdeckten
Suͤnden um ſo angenehme Preiſe, daß die gute Kai⸗ ſerin genoͤthigt war, durch Aufhebung der Commiſſion dem Scandal, durch welchen viele angeſehene Familien
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compromitirt worden waren, ein Ende zu machen. Die Ehemaͤnner, welche durch die Wachſamkeit und Indiscre⸗ tion der Commiſſion hinter die Schliche ihrer Frauen kamen, die Frauen, welche dadurch die Treuloſigkeiten und geheimen Ausgaben ihrer Muͤnner erfuhren, die Väter, welche ihre Toͤchter dem Aergerniſſe preisgege⸗ ben ſahen, Alle wußten der Keuſchheitscommiſſion we⸗ nig Dank, am wenigſten aber die hohe Geiſtlichkeit, welche vor dem niedern Klerus gewiſſe angenehme Pri⸗ vilegien ſich reſervirte. Einer dieſer Keuſchheitscom⸗. miſſäre— ſo erzählten die Großväter— ſei in eine äußerſt ſchoͤne, aber ſehr vornehme Dame verliebt ge⸗ weſen. Da er keine Hoffnung hatte, jemals ihr Herz, noch viel weniger ihre Hand zu erobern, ſo ſchritt er
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