Gegenden, wo die groͤßte kirchliche Strenge freiwilliger Eunuchen die Ehe zu einer Feuerprobe der menſchlichen Tugend und Keuſchheit, zu einem lebenslaͤnglichen Kerker fuͤr Leib und Seele gemacht hat, in Spa⸗ nien, Frankreich, Italien und— Oeſterreich! Wir haben es hier nur mit letzterem Lande zu thun, denn die uͤbrigen Laͤnder haben ſeit langer Zeit ihre Geſchich⸗ ten der Sittenloſigkeit, wozu die wohlgefaͤlligen, blos auf den Reiz der Sinnenluſt berechneten, frivolen Dar⸗ ſtellungen erotiſcher Schriftſteller die bezeichnendſten Beiträge lieferten. Caſanova, Boccaccio und die galan⸗ ten franzoſiſchen Autoren ſind wichtige Beiträge zur Sittenſchilderung ihrer Zeiten. Sie wurden nirgends eifriger geleſen als an jenen Hoͤfen, wo man mit Hilfe jeſuitiſcher Beichvaͤter und jener rechtsgelehrten Buͤttel, welche zu allen Zeiten bereit waren, fur Sold und Rang Geſetze gegen die menſchliche Schwachheit zu erdenken und ihren ſittlichen Eifer durch recht ſchau⸗ dervolle Erfindungen darzuthun, jene Strafen gegen Keuſchheitsſuͤnden erdachte, welche noch heute ſo viele Geſetzbuͤcher beſudeln.
Das proteſtantiſche Deutſchland hat noch ſo viel Sittlichkeitsgefuͤhl gerettet, um der erotiſchen Literatur keinen Vorſchub zu leiſten; in Oeſterreich iſt laͤngſt dieſes ſittliche Gefühl faſt völlig erloſchen und nur die Cenſur haͤlt— vielleicht nicht ohne ein faunenhaftes Bedauern— die Entſtehung einer ſolchen Literatur zuruͤck, waͤhrend ſie jedoch auf dem Theater, um das


