Teil eines Werkes 
1.-4. Bdchn (1852)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

22

Nein, Wirklichkeit, mein Bruder, Wirklichkeit; er erwachte, er riß die Augen auf; er zündete ſeine Nacht⸗ lampe, ſein Licht an; er machte Geräuſch, indem er mit ſeinem Löffel an den Wänden ſeines Glaſes Zuckerwaſſer rieb, und immer, immer, trotz der Nachtlampe, trotz des Lichtes, trotz des Geräuſches, ſah er in der dunkelſten Ecke ſeines Zimmers die zwei Frauen, welche den un⸗ glücklichen Zeigefinger krümmten und, zugleich mit dem Kopfe und mit dem Finger winkend, ſagten:

Komm mit uns, komm mit uns.

Das war erſchrecklich, ſprach Bannière, der un⸗ willkürlich den Schweiß auf ſeiner Stirne perlen fühlte.

Ich geſtehe auch, daß das tödtlich war, erwie⸗ derte der Künſtler, der Anſicht von Bannisre beitretend, wie man ſieht.Herr von Champmeslé ſtand ſogleich auf und ging auf der Stelle, mitten in der Nacht, halb angekleidet, weg, um ſeine Freunde aufzuwecken und ihnen das Abenkeuer zu erzählen.

Einige, die falſchen Freunde, die Hiobs⸗Freunde ſpotteten über ihn und wieſen ihm die Thüre; Andere, die guten Herzen, tröſteten ihn, führten ihm Beiſpiele von lügenhaften Träumen an und ſuchten ihn zu über⸗ reden, der ſeinige ſei durch das elfenbeinene Thor her⸗ vorgekommen; ein Einziger, ein ächter Freund, ließ ihn zu ſich ins Bett liegen, ſprach mit ihm bis zum Tage von der ſchönen und guten Marie Desmares und von der tugendhaften Demoiſelle Chevillet von Champmeslé, ſeiner Mutter, und überzeugte ihn am Ende, zwei ſo vortreffliche Perſonen können nicht die Eine ihrem Sohne, die Andere ihrem Manne übel wollen.

So lange Champmeslé bei dieſem Freunde lag oder in ſeiner Gegenwart blieb, war er, wie geſagt, ein wenig beruhigt: doch der Schlag hatte getroffen. Kaum hatte er ſeinen Tröſter verlaſſen, als vieſelbe fire Idee bei ihm wiederkehrte. Dieſer Tag war ein Sonntag, man gab die Iphigenie von Herrn Racine und irgend ein kleines Stück, mit dem man anfing. Während