Teil eines Werkes 
1.-4. Bdchn (1852)
Entstehung
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Ave Nio, ſagten die Soldaten der Grafen von Toulvuſe, von Provence, von Forcalquier: daher Avignon.

Man bemerke wohl, daß dies Geſchichte iſt; wir wären viel voſitiver, als wir es find, wenn wir ſtatt Geſchichte Roman machten.

Man ſieht alſo, daß zu allen Zeiten Avignon eine bevorzugte Stadt geweſen iſt; überdies hat ſie, eine der erſten, eine herrliche Brücke gehabt, eine Brücke erbaut 1177 von einem jungen Hirten Namens Bennezet, der, nachdem er Lämmer gehütet, Seelenhirte wurde und das Glück hatte, heilig geſprochen zu werden; frei⸗ lich ſind heute nur noch drei bis vier Bögen von dieſer Brücke übrig, welche unter der Regierung Ludwig XIV, im Jahre der Gnade 1669, das heißt, ungefähr acht und fünfzig Jahre vor der Zeit, wo die Geſchichte beginnt, die wir erzählen wollen, zerſtört worden iſt.

Aber vornehmlich gegen das Ende des vierzehnten Jahrhunderts war Avignon glänzend anzuſchauen. Philipp der Schöne, der Clemens V. und ſeinen Nach⸗ folgern Wachen, ein Gefängniß und ein Aſyl zu geben geglaubt hatte, hatte ihnen einen Hof, einen Palaſt und ein Königreich gegeben.

Es war in der That ein Hof, ein Palaſt und ein Königreich, was dieſe Königin des Luxus, der Ueppig⸗ keit und der Schwelgerei beſaß, die man Avignon nannte; ſie hatte einen Gürtel von Mauern, welche um ihre prallen Flanken von Hernaudy von Herodia, dem Groß⸗ meiſter des Ordens der Johanniter von Jeruſalem, ge⸗ ſchloſſen worden war; ſie hatte ausſchweifende Prieſter, die den Leib Chriſti mit Händen glühend vor Unkeuſch⸗ heit berührten; ſie hatte ſchöne Buhlerinnen, Schweſtern, Nichten und Concubinen der Päpſte, welche die Diamanten aus der Tiara brachen, um ſich Armſpangen und Hals⸗ bänder daraus zu machen; ſie hatte endlich Echos der Quelle von Vaueluſe, welche verliebt den ſüßen Namen Laura wiederholten und ſie beim Klange der weichen, wol⸗ lüſtigen Lieder von Petrarca einwiegten

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