Teil eines Werkes 
1.-4. Bdchn (1852)
Entstehung
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für denjenigen, welcher von Montélimart an dem wärmeren Tone des Terrain, an der durchſichtigeren Luft, an den feſteren Conturen der Gegenſtände wahrzunehmen anfängt, daß er im Süden iſt, für denjenigen, welcher endlich ſchauernd unter den mörderiſchen Bögen der Heiligen-Geiſt-Brücke paſſirt, von denen jeder ſeinen Namen hat, damit man im Augenblick, wo ein Schiff an einem derſelben ſcheitert, weiß, anwelchen Ort man Hülfe bringen ſoll; für den, der Roquemaure, wo Hannibal mit ſeinen vierzig Elephanten über die Rhone ſetzte, zu ſeiner Rechten, das Schloß Mornas, von welchem herab der Baron des Adrets eine ganze katholiſche Gar⸗ niſon ſpringen ließ, zu ſeiner Linken läßt, bietet ſich Avignon bei einer der Wendungen des Fluſſes plötzlich mit einer wahrhaft königlichen Pracht.

Allerdings iſt das Einzige, was man von Avignon in dem Augenblick erſchaut, wo man Avignon erſchaut, ſein rieſiges Schloß, der Palaſt der Päpſte, ein Ge⸗ bäude aus dem vierzehnten Jahrhundert, das einzige vollkommene Muſter der militäriſchen Architectur jener Zeit, erbaut auf dem Platze, wo ſich einſt der Tempel der Diana erhob, welcher der Stadt ſeinen Namen ge⸗ geben hat.

Wie hat nun ein Tempel der Diana ſeinen Namen dem zukünftigen Wohnſitze der Päpſte geben können? Wir werden es ſagen, wobei wir für uns die Nachſicht in Anſpruch nehmen, mit der wir die Leſerinnen ſehr verſchwenderiſch gegen die Etymologen geſehen haben.

Ave Diana! gegrüßet ſeiſt du, Diana! ſagte der Reiſende, wenn er in der Ferne den Tempel der keuſchen Göttin zur Zeit der ſchönen Latinität, im Jahrhundert vor Cicero, Virgil und Auguſtus, erblickte.

Ave Miana! fingen an die Schiffer im Jahrhundert vor Conſtantin, das heißt in einer Zeit zu ſagen, wo das Idiom des Landes ſchon die Reinheit der lateiniſchen Sprache verdorben hatte.