Teil eines Werkes 
6. Bd. (1858)
Entstehung
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oder.. eine Todſünde? Darauf beruht die ganze Frage?“

„Prüfen Sie ſich, Herr Graf, fragen Sie ſich,“ ſagte der Biſchof mit einer Miene voll Zerknir⸗ ſchung,„erforſchen Sie Ihr Gewiſſen, haben Sie etwas Schweres. ſehr Schweres ſich vorzuwer⸗ fen? Sie wiſſen, daß ich für Ihre Familie und für Sie insbeſondere eine wahrhaft väterliche Zunei⸗ gung fühle; ich werde alle Nachſicht walten laſſen. Sprechen Sie deßhalb mit Vertrauen; Sie haben keinen ergebeneren Freund, als mich.“

„So hören Sie denn, Monſeigneur,“ verſetzte Graf Rappt, indem er den Biſchof ſtreng anſah: „wir kennen beide die Menſchen, wir kennen, um uns nicht zu täuſchen, der Eine wie der Andere, der Eine ſo gut, wie der Andere, die menſchlichen Leidenſchaften. Wir wiſſen, daß Wenige in unſer Alter kommen, mit unſern Anſprüchen auf das Le⸗ ben und mit unſerem Ehrgeize, ohne, wenn ſie hin⸗ ter ſich blicken, Schwachheiten zu entdecken!“

„Gewiß!“ unterbrach ihn der Biſchof, indem er die Augen ſenkte, denn er konnte den feſten Blick des Deputirten nicht aushalten,„die menſchliche Na⸗ tur iſt unvollkommen; gewiß, wir haben hinter uns, in unſerem Gefolge, auf unſern Ferſen einen gan⸗ zen Cortege von Verwirrungen und Schwächen... Aber,“ verſetzte er, indem er den Kopf erhob,„es ſind Schwächen, die, wenn wir ſie ſich ausbreiten ließen, ernſtlich gefährlich werden könnten! Wenn es ein derartiges Vergehen iſt, ſo müſſen Sie geſtehen, Herr Graf, daß wir unſerer zwei nicht zu viel wä⸗