204
Sie mir, welchem von beiden ich eine Rechtfertigung und Sühne ſchuldig bin.“
„Hören Sie mich an, Herr Graf,“ ſagte der Biſchof;„ich werde wirklich offen mit Ihnen reden; und um damit zu beginnen, erlauben Sie mir, Sie daran zu erinnern, welche Bewunderung ich für Ihr ſchönes Talent habe. Kein Mann ſchien mir bis jetzt würdiger, als Sie, ſich zu den höchſten Würden des Staates emporzuſchwingen; unglückli⸗ cher Weiſe hat ein Flecken den Glanz, mit dem ich Sie bis jetzt ſo gerne umgab, verdunkelt.“
„Erklären Sie ſich, Monſeigneur. Ich wünſche nichts mehr, als zu beichten.“
„Nun gut,“ ſagte langſam und kalt der Biſchof, „ich nehme Sie beim Wort; ich will Sie beichten laſſen. Der Zufall hat mich zum Mitwiſſer eines Vergehens gemacht, das Sie begangen; geſtehen Sie, als ſtänden Sie vor dem Bußgericht; und müßte ich ſelbſt meine Kniee brauchen, um für Sie zu bitten, ich würde Tag und Nacht die göttliche Gnade anrufen, bis ich Verzeihung für Sie erlangt.“
„Heuchler!“ dachte Graf Rappt,„Heuchler und Dummkopf! Wie kannſt Du glauben, daß ich ſo einfältig ſein werde, mich im Retze fangen zu laſ⸗ ſen? Im Gegentheil, ich werde Dich beichten laſ⸗ ſen... Monſeigneur,“ fuhr er laut fort,„wenn ich Sie recht verſtanden, ſo ſind Sie durch Zufall (und er legte abſichtlich Nachdruck auf dieſes Wort) durch Zufall zur Kenntniß eines Vergehens gekom⸗ men, das ich begangen. Bringen Sie mich ein we⸗ nig auf die Spur! Iſt es eine lösliche Sünde..


