178
ſeiner Uneigennützigkeit, ſeiner unheilbaren Uneigen⸗ nützigkeit zu ſprechen. So wiſſen Sie denn vor Allem: ich habe, obgleich ich Sie um alles nicht ſtören wollte, nur in der beſtimmten Abſicht einge⸗ willigt, ihm hier zu folgen, um ihm zu helfen und Ihr Intereſſe für ihn in Anſpruch zu nehmen. O wenn es ſich nur um mich gehandelt, glauben Sie mir, Herr Graf, ich hätte niemals eingewilligt, Ihre Ruhe zu ſtören. Ich für mich brauche nichts, ich habe den Glauben! und wenn ich etwas brauchte, wüßte ich zu warten. Habe ich mir nicht überdies jeden Augenblick geſagt, daß wir in einem Zeitalter und in einem Lande leben, wo die, welche man die großen Meiſter nennt, kaum werth ſind, die Pinſel Beato Angelicos und Fra Bartolomeos zu reinigen? und weßhalb das, Herr Graf? Weil die Künſtler unſerer Zeit keinen Glauben haben. Ich, ich habe den Glauben; das iſt ſchuld, daß ich nichts brauche, daß ich Niemanden brauche und daß ich demzufolge Niemanden zu bitten brauche, wenigſtens nicht für mich. Aberwennich meinen Bruder ſehe, meinen urmen Bruder, mein Herr, den Heiligen, der vor Ihnen ſteht; wenn ich ihn den Armen die zwölfhundert Franken ſei⸗ ner Pfarre geben und nicht ſo viel zurück behalten ſehe, als er für den Wein braucht, mit dem er Morgens communizirt, ſehen Sie, Herr Graf, dann ſchnürt ſich mein Herz zuſammen, meine Zunge entfeſſelt ſich und ich fürchte nicht mehr aufdringlich zu ſein, denn ich bitte nicht für mich, ſondern für meinen Bruder.“
„Favier, mein Freund!“ machte der Abbẽ heuch⸗
leriſch. „O, ich habe geſprochen. Sie wiſſen jetzt, Herr


