386
Im Morgen erſt angekommen, und völlig unwiſ⸗ ſend in Betreff deſſen, was in Paris vorging, konnte der Abbé Dominique nicht begreifen, warum ihm ſein Vater in der Himmelfahrts⸗Kirche Rendez⸗vous gegeben hatte, während, angenommen, er wolle ihm durchaus Rendez⸗vvus in einer Kirche geben, die Saint⸗Sulpice⸗ Kirche nur hundert Schritte von ihm war. Als er aber in die Rue Saint⸗Honoré eintrat und die ungeheure Menge, welche ſie beſetzt hielt, ſo wie die Reihe von Wagen ſah, die weit jenſeits der Rue du Cog anfing, und deren äußerſtes Ende man nicht erblickte, erkundigte er ſich bei dem erſten dem beſten Vorübergehenden nach der Urſache, welche alle dieſe Menſchen verſammelte.
Da theilte man ihm mit, die Menge ſei gekommen, um dem Leichenbegängniſſe des Herzogs de la Rochefoucauld⸗ Liancourt, der vor zwei Tagen geſtorben, beizuwohnen.
CXLIX.
Das Leichenbegängniß eines lieberalen Edelmannes im Jahre 1827.
Der Herzog de la Rochefoucauld-Liancvurt hatte, auf eine ſo brutale Art 1823 von Herrn von Cor⸗ biere verletzt, wirklich im Alter von achtzig Jahren ein Leben der Menſchenliebe, der Redlichkeit und der Ehre beſchloſſen, was gemacht hatte, daß er mit dem Rufe eines der wohlthätigſten, der tugendhafteſten und der ehrenwertheſten Männer Frankreichs geſtorben war. Welcher Partei man angehörte, man mußte die außer⸗ ordentliche Tugend des Herzogs de la Rochefoucauld⸗ Liancourt bewundern, und vom ärmſten Arbeiter bis zum reichſten Bürger bedeutete ſein Name, mit gleicher Verehrung ausgeſprochen, in Aller Munde Seelengröße, Wohlthätigkeit, Rechtſchaffenheit.
Als er den Tod des edlen Herzogs erfuhr, begriff der Abbé Dominique den Sinn dieſer ſympathetiſchen
.


