23 ge n, e⸗
379
„Gut,“ ſagte Fragola,„man muß das Kind für ſeinen Gehorſam belohnen.“
Und ſachte ihre Hand von der ihrer Freundin los⸗ machend, nahm ſie hinter der Cauſeuſe von einer Chif⸗ fonniere von Roſenholz, wo ſie dieſelbe niedergelegt hatte, die Reliquie des Grafen, reichte das Papier Car⸗ melite offen, und ſprach die eigenen Worte des Grafen wiederholend:
„Seine Mutter hat ſie am Tage ſeiner Geburt von ſeinem Kopfe geſchnitten.“
„Gott der Güte!“ rief Carmelite, auf die Haar⸗ locke mit der Wuth einer Löwin losſtürzend, die ihr Kleines wiederfinden würdez„Gott der Güte! es ſind Haare von meinem Colombau!“
Und zum erſten Male wurde das Herz des Mäd⸗ chens, leer und kalt wie ein Grab ſeit dem Tode von Colombau, von einem unaus ſprechlichen Glücke über⸗ ſtrömt.
Und ſie nahm die Haarlocke, drehte ſie in allen Richtungen, küßte ſie tauſendmal, bedeckte ſie mit Thrä⸗ nen, hob ſie bis an die Lippen von Fragola empor und ſprach: „Du liebteſt ihn auch wie einen Bruderz küſſe ſeine ſchönen Haare, o meine Schweſter!“


