376
„Oh! wie gern möchte ich ihn wiederſehen!“ rief Carmelite.
„Du wirſt ihn wiederſehen, doch morgen, ſpäter vielleicht, wenn Du die Kraft haben wirſt, ihn anzu⸗ hören und ihm zu antworten.“
„Oh! ich bin ſtark! ich bin ſtark!“ rief Carmelite. „Bedenke doch, daß ich ihn um tauſend Einzelheiten zu fragen habe: er hat ihn zuletzt verlaſſen. Wo iſt er? wo ruht er? Nicht wahr, Fragola, wir machen eine Pilgerfahrt nach ſeinem Grabe?“
„Ja, meine Schweſter, ja, ſei ruhig.“
„Sprach er nicht zu mir von ſeinem Vater? ſagte er mir nicht, ſein Vater habe mir verziehen, ſein Vater habe mich geſegnet?“
„Ja, er hat Dir verziehen; ja, er hat Dich ge⸗ ſegnet. Du ſiehſt alſo, daß Gott mit Dir iſt.“
„Oh!“ murmelte Carmelite, auf ihre Cauſeuſe zu⸗ rückfallend,„ich bin nicht mit ihm!“
Und ſie faltete die Hände und betete ganz leiſe, die Lippen bewegend, doch ohne daß man die Worte hörte, die ſie ſprach.
„So iſt es gut,“ ſagte Fragola,„bete, arme, theure Seele, Alles iſt im Gebete: die Ruhe, der Troſt, die Stärke. Bete, ſchließe Deine ſchönen Augen, und ſuche zu ſchlummern.“
„Ei! könnte ich es?“ fragte Carmelite;„hier, nimm meine Hand.“
„Sie glüht vor Fieber.“
„Mir ſcheint, Fragola, ohne das Fieber würde ich nicht leben.“
Fragola kniete wieder vor ihrer Freundin nieder, nh die Hände von Carmelite in die ihrigen und ſprach: „O meine Schweſter, wo iſt denn die Stärke, auf die Du vorhin ſo ſtolz warſt? Das erſte Wort hat Dich gebeugt wie ein Rohr, gebrochen wie eine Blume⸗
Dr D
ni
me
ber
der


