Teil eines Werkes 
19.-25. Bdchn (1856)
Entstehung
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das heißt ein Leben der Leiden, ohne Ruhe und Raſt, das ſich jedoch völlig verändert an dem Tage, wo ſie im reizenden Hafen der Rue Macon, unter dem Hauche der Liebe von Salvator eingelaufen.

Wir werden vielleicht eines Tags dieſes Leben er⸗ zählen; doch wann? doch wie? wir wiſſen es jetzt nicht, vertieft, wie wir ſind, in die Serie von Ereigniſſen, welche den Knoten unſeres Buches bildet.

Carmelite hatte zugehört, geweint, geſchauert; dann hatte ſie unter dem Gewichte eines tiefen Ein⸗ druckes geſagt:

Oh! theure Schweſter, Du biſt auch hart vom Schmerze geprüft worden. Umarme mich und laß uns die Thränen unſerer Jugend vermengen, wie wir die Freuden unſerer Kindheit vermengt haben.

Da ſtürzte Fragola in die Arme ihrer Freundin, und ſo, eng verſchlungen, die ſchwarzen Haare von Carmelite mit den blonden Haaren von Fragola ver⸗ miſcht, die bleichen Lippen der Einen an die Purpur⸗ lippen der Andern geklebt, athmeten ſie in einem langen Kuſſe ihre gemeinſchaftlichen Schmerzen ein, und der Engel des Troſtes breitete ſeine weißen Flügel über ihren Häuptern aus.

Dann ſprach Carmelite, welche in ſich ſelbſt hin⸗ abgeſtiegen war, nach einem langen Stillſchweigen:

Du haſt Recht, Fragola, es iſt das Eigenthüm⸗ liche der ſchwachen Seelen, daß ſie ſich vom Schmerze beſiegen laſſen. Durch den Schmerz werden im Gegen⸗ theile die Herzen wie das Deinige geläutert und wie⸗ dergeboren. Dank Dir, meine Schweſter, für Deine heilſame Lehre! Von dieſer Stunde an werde ich Dein Beiſpiel befolgen, und wie Du durch die Liebe vom Tode errettet worden biſt, ſo will ich von der Hand der Arbeit geführt ins Leben zurückkehren. Eines Tags ſagte er mir, ich ſei zu einer großen Künſtlerin gebo⸗ ren. Er ſoll ſich nicht getäuſcht haben: der Mund meines Colombau konnte nicht lügen Ich werde