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Unklugheit, vielleicht ſogar eine Grauſamkeit. Eine Frau, welche Colombau mit einer gewöhnlichen Liebe geliebt hätte, würde Anfangs einen gewiſſen Troſt darin gefunden haben, unter den Erinnerungen dieſer Liebe zu leben; allmälig aber, und ſowie die Zeit verlaufen wäre, und die Vergeſſenheit wäre auf die Oberfläche ihres Schmerzes emporgeſtiegen, wären dieſe Gegen⸗ ſtände, ſtatt für ſie ein Motiv des Troſtes zu ſein, ein Motiv des Ueberdruſſes, ſodann der Ermüdung gewor⸗ den, und eines Tags endlich, wenn ſie völlig von die⸗ ſer Liebe geheilt geweſen wäre, vielleicht ein Motiv des Vorwurfs. Doch ſeid unbeſorgt, meine Schweſtern, ich kenne Carmelite, und es iſt bei ihr nicht ſo: ihr Schmerz wird ewig währen wie ihre Liebe, und dieſes Zimmer wird ein Tabernakel werden, wo, wie in einer heiligen Arche, die Erinnerung an Colombau leben wird. Ma⸗ chen wir es alſo, wie ich Euch ſage, und in zehn Jah⸗
ren wird Euch Carmelite, wie heute, danken.“
Man gab Fragola Vollmacht in Betreff des Schlaf⸗ zimmers, und das Mädchen ſeinerſeits ließ alle Freiheit ſeinen Gefährtinnen bei den andern Zimmern.
Statt der Vorhänge mit den lebhaften Farben, ſtatt des buntſcheckigen Tapetenwerks, womit Camille die Wände des kleinen Hauſes in Meudon bedeckt hatte, drapirte Fragola ſodann Alles mit einer ſtrengen Ein⸗ fachheit; das war das Haus mit den braunen, düſtern Nuancen einer Witwe, und nicht die heitere, ſingende Wohnung eines Mädchens. Carmelite fühlte ſich bei ihrem Eintritte von einem unbeſchreiblich melancholiſchen Eindrucke ergriffen, bei dem es ihrem Herzen ſo behag⸗ lich wurde, als es, in einer entgegengeſetzten Sphäre, dem von Roſe⸗de⸗Noöl, da ſie ihren Hundeſtall der Rue de Triperet mit ihrem Paradieſe in der Rue d'Ulm ver⸗ tauſchte, geweſen war.
In dem Augenblicke, wo dieſes Kapitel beginnt, lag Carmelite, immer bleich,— ſie ſollte dieſe Bläſſe bis zum Tode behalten,— noch ſchwach, auf einer
Die Mohicaner von Paris. V. 24


