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Priamus der Große trat ein, ohne bemerkt zu werden, näherte ſich Achilles, nahm in ſeine Arme die Kniee des Helden und kuͤßte dieſe moͤrderiſchen Hände, dieſe entſetz⸗ lichen Hände, die ihm ſo viel Soͤhne toͤdteten. So, wenn das Geſchick einen Menſchen, der in ſeinem Vaterlande einen andern Menſchen getoͤdtet, erfaßt und zu einem fremden Volke hinausgeſtoßen hat, wenn dieſer Menſch in das Haus eines reichen Mannes eintritt, wo er eine Zu⸗ flucht ſucht, werden alle diejenigen, welche ihn ſehen, von Erſtaunen ergriffen; ſo war Achilles erſtaunt, als er Pria⸗ mus ſah, einem Gotte ähnlich, und nicht minder erſtaunt als Achilles, ſchauten die Anweſenden einander an.
Da richtete Priamus flehend folgende Rede an ihn:
„Den Goͤttern gleicher Achilles, erinnerſt Du Dich Deines Vaters; er iſt von demſelben Alter wie ich und auf der todtlichen Schwelle des Greiſenthums. Vielleicht vedrängen ihn benachbarte Feinde und er hat Niemand, um weit von ihm den Krieg und den Tod zuruͤckzuſchlagen; doch dieſer, da er von Dir ſprechen hoͤrt und weiß, daß Du lebſt, freut ſich wenigſtens in ſeinem Herzen, und hofft uͤberdies alle Tage, er werde ſeinen theuren Sohn von Troja zuruͤckkommen ſehen. Ich aver bin ganz und gar ungluͤcklich, da ich ſo viele tapfere Sohne im weiten Troja erzeugte, und keiner von dieſen Soͤhnen mir gelaſſen wor⸗ den iſt.. Ich zaͤhlte fuͤnfzig, als die Achäer kamen; neunzehn waren aus demſelben Schooße hervorgegangen⸗ und meine Frauen hatten die anderen in meinen Paläſten zur Welt gebracht... Der ungeſtuͤme Mars hat ihnen die Kniee gebrochen, und derjenige, welcher allein bei mir war, der die Stadt und uns vertheidigte, Du haſt ihn kuͤrzlich in dem Augenblicke getodtet, wo er fuͤr das Vater⸗ land kämpfte armer Hector!
„Und ich, ich komme nun um ſeinetwillen zum Schiffe der Achaer, um ihn loszukaufen, und ich bringe ungeheu⸗ res Loͤſegeld. Achte die Goͤtter, Achilles, und habe Mit⸗ leid mit mir; und Deines Vaters Dich erinnernd, bedenke, daß ich viel mehr zu beklagen bin als er, denn ich habe Dinge ertragen, wie ſie noch kein anderer lebender Menſch auf Erden ertragen hat: das, die Hand gegen den Mund des Mannes auszuſtrecken, der meinen Sohn getoͤdtet hat!“
An einem andern Tage war es der zehnte Geſang von Dante, der in den Geiſt des armen Vaters zurück⸗
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