28
von Diſtinction,— ſprechen ſelten unter ſich von ihren Geliebten, ihren Liebſchaften, und ſogar von ihren ein⸗ fachen Bekanntſchaften; jedes zarte Herz liebt den Schat⸗ ten und das Geheimniß und führt nicht leicht ſelbſt einen vertrauten Freund in das Tabernakel ſeiner Zu⸗ neigungen ein.
Jean Robert verweilte nur ſo lange, als er es für nöthig erachtete, um ſeinem Beſuche einen andern An⸗ ſchein als den eines Eintritts und eines Abgangs zu
eben; dann erſann er einen Vorwand und entfernte e wieder, um Petrus einſam ſich ſeiner Gemüthsbe⸗ wegungen erfreuen zu laſſen.
Was waren dieſe Gemüthsbewegungen? Jean Robert wußte es nicht, doch daran lag ihm wenig: er hatte an dem Lächeln ſeines Freundes, an ſeinen halb⸗
verſchleierten Augen, an ſeiner ſtillen Zerſtreuung er⸗
rathen, ſeine Gemüthsbewegungen ſeien ſüßer Art.
Petrus, der nun allein blieb, brachte einen der göttlichen Tage zu, deren Erinnerung der Menſch am Abend ſeines Lebens nicht ohne vor Freude zu ſchauern wiederfindet.
Der von jedem Künſtler, von jedem nicht dem ge⸗ wöhnlichen Strome angehörenden jungen Herzen ge⸗ hätſchelte Traum: die Liebe einer Frau, deren Stirne die dreifache Krone der Schönheit, der Größe und der Jugend trägt,— dieſer Traum verwirklichte ſich für ihn.
Alle Prinzeſſinnen ſeiner Träume nahmen eine reelle Form an, verkörperten ſich für ihn, verkörperten ſich in einer einzigen Frau! Er ſchloß die Augen und ſah ſie aus ihrem Wagen in einer Wolke von Spitzen, Sammet und Hermelin ausſteigen.
Am Abend ſetzte er ſich an ſein Klavierz wie alle Maler, betete Petrus die Muſik an. Seine Hand wäre zu ungeſchickt geweſen, um auf die Leinwand den ge⸗ ringſten Reflex ſeiner trügeriſchen Gemüthsbewegungen zu werfen: die Muſik allein mit ihrer Zauberſtimme, mit ihren Vibrirungen, welche im Himmel geboren
——


