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„Nein, das iſt wahr,“ ſprach die gute Franz;„doch Sie hatten ihm das Leben abgeſprochen.“
„Bei Gott!“ erwiederte der Oberwundarzt der großen Armee,„man ſpricht immer das Leben ab, ſonſt, wenn ein Kranker ſtürbe, was manchmal geſchieht, würde man dem Arzte ſagen:„„Er iſt geſtorben, und Sie hatten ihm nicht das Leben abgeſprochen!““ Auf dieſe Art iſt die Ehre der Arzneiwiſſenſchaft gerettet.“
„Ja,“ ſagte Marianne,„und kommt der Kranke davon, ſo vergrößert das die Ehre des Arztes.“
Die Anſchuldigungen des alten Wundarztes und die medico⸗philoſophiſchen Bemerkungen der Krankenwärterin dauerten eine halbe Stunde.
Nach Verlauf dieſer halben Stunde kam Ludovic an.
Er trat gerade in dem Augenblicke ein, wo Herr Pilloy ohne Mitleid für ſeinen beſten Freund,— die Wiſſenſchaft iſt wie Saturn, ſie verſchlingt ihre Kinder!— er trat, ſagen wir, in dem Augenblicke ein, wo Herr Pilloy, da er den Kranken faſt unmittelbar den Löffel voll Brechtrank, den er genommen, wieder von ſich geben ſah, Herrn Gérard anſchauend, deſſen verzerrtes Geſicht das Leiden ausdrückte, laut ſagte:
„Er iſt entſchieden verloren!“
Ludovic hörte dieſe Worte, achtete aber nicht darauf, ging gerade auf den Kranken zu, ſchaute ihn aufmerkſam an und fühlte ihm den Puls.
Nach einer Minute,— einer Minute voller Ban⸗ gigkeit für dieſes wackere Herz, voller Unruhe von einer verzagenden Art für den alten Wundarzt, erhob er die Stimme.
Sein Geſicht, das zugleich der Arzt, die Kranken⸗ wärterin und der Sterbende forſchend betrachteten, drückte die vollkommenſte Befriedigung aus.
„Es geht gut!“ ſagte er.
„Wie, es geht gut?“ fragte Herr Pilloy erſtaunt⸗
„Ja, der Puls hat ſich wieder gehoben.“


