Teil eines Werkes 
9.-12. Bdchn (1855)
Entstehung
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Nach dieſen äußeren Symptomen urtheilte Ludovic, die Krankheit ſei in der That bedenklich; er ſah aber den Kranken nicht in dem abſolut verzweifelten Zuſtand, wie ſein College.

„Sie leiden ſehr, mein Herr?“ fragte er.

Bei dieſer Frage, gemacht von einer neuen Stimme, welche Herrn Gérard eine verlorene Hoffnung wiederzu⸗ geben ſchien, öffnete dieſer die Augen und wandte den Kopf gegen den Sprecher um, der mit ihm ſprach.

Ludovic war erſtaunt über die Vitalität, welche noch im Auge des Sterbenden herrſchte, eine Vitalität, welche in keinem Verhältniß zu dem ſcheinbaren Verfalle ſeiner Kräfte ſtand; das Weiße des Auges war gelb; die Ge⸗ ſichtszüge waren entſtellt; das Geſicht erſchien todt; doch vas Auge, oder vielmehr das Herz des Auges, war nicht ſo todt, als das Geſicht. Es war in dieſem Auge noch Kraft und Leben.

„Wollen Sie mir Ibre Zunge zeigen,“ ſagte Ludovic. herr Gerard zeigte ſeine Zunge; ſie hatte eine weißgelbe, ins Gräuliche fallende Farbe, war belegt, und das in ihrem ganzen Umfange, doch ſie hatte nicht die ſchmale Spitze, wie die der Schlangen; ſodann war ſie weder faſt blutig an ihrer Extremität, noch roth an ihren Rändern, wie es die Zunge bei der Magenentzün⸗ dung iſt.

Bis dahin war Ludovic im Zweifel geweſen, von dieſem Augenblicke an trat er in die Gewißheit ein.

Durch eine unwillkürliche, beinahe maſchinenmäßige

Bewegung wandte ſich auch ſein Blick vom Kranken auf

den Wundarzt, und zwar mit einem Ausdrucke, in wel⸗ chem man ſich nicht täuſchen konnte. Dieſer Ausdruck wollte klar beſagen:„Ei! Sie ſehen wohl, daß es nicht die Magenentzündung iſt.“ Der alte Miltärarzt ſchien, in ſeinem Selbſtver⸗

trauen, weder die Bewegung noch den Blick von Ludovic

zu bemerken.

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