Teil eines Werkes 
9.-12. Bdchn (1855)
Entstehung
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„Ich, mein Herr,“ ſprach Ludovic ſich verbengend, „ich habe die Ehre, Ihr College zu ſein.“

Der Mann mit dem grauen Schnurrbarte faltete leicht die Stirne und erwiederte:

„Ja, ſoweit ein junger Mann von fünfundzwanzig Jahren der College von einem Manne ſein kann, der zehn Jahre ſeines Lebens auf den Schlachtfeldern und fünfzehn Jahre am Krankenbette zugebracht hat.“

„Verzeihen Sie, mein Herr,“ verſetzte Ludovic,„ich ſehe, daß ich die Ehre habe, mit Herrn Pilloy zu ſprechen.“

Der Arzt richtete ſich hoch auf und fragte:

„Wer hat Ihnen meinen Namen geſagt, mein Herr?“

„Ich habe ihn auf eine ſehr einfache Art erfahren, und er war begleitet von den größten Lobeserhebungen. Der Zufall führte mich zu zwei unglücklichen Lenten, die ſich im Bas-Mendon mittelſt Kohlendampfs getödtet haben; ich forderte ſogleich den Beiſtand eines Collegen: man nannte Ihren Namen, ich ſchickte zu Ihnen; bei Ihnen antwortete man, Sie ſeien am Bette von Herrn Gérard.“

„Und Ihre Erſtickten?“ fragte der militäriſche Arzt ein wenig beſänftigt durch die Höflichkeit des jungen Mannes.

„Ich konnte nur einen Theil retten, mein Herr; wären Sie da geweſen, ſo hätten wir vielleicht Beide gerettet.“

„Und dann,“ ſprach Herr Pilloy,„da Sie ſich am Orte befanden und erfuhren, es ſei ein Kranker im Hauſe, traten Sie ein?“

„Ich würde mir eine ſolche Unſchicklichkeit nicht er⸗ laubt haben, da ich wußte, daß Sie bei Herrn Gérard waren, hätten mich nicht die braven Leute, welche vor

der Thüre weinen, gleichſam dazu gezwungen. Der

äußerſte Schmerz iſt leichtgläubig, wie Sie wiſſen, mein Herr; verzeihen Sie ihnen, und wenn Sie ihnen ver⸗ ziehen haben, verzeihen Sie mir ebenfalls.“