Teil eines Werkes 
9.-12. Bdchn (1855)
Entstehung
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Juſtin,„daß eine Frau, der meine Mutter ihre Tochter anvertraut hat, der ich meine Frau anvertraut habe, es wagt, mir zu ſagen, ich ſoll ſchweigen, wenn ich ſie von ihr zurückverlange.“

Die Erwiederung war ſo ſcharf, daß Madame Des⸗ marets vernichtet ſchien.

„Aber, mein Herr,“ rief ſie in Thränen zerfließend, „alle Mütter werden ihre Töchter von mir zurück⸗ nehmen!“

„Und ich, Madame,“ ſprach Juſtin, empört über den Egoismus dieſer Frau, welche vor einem Schmerze, wie der ſeine war, ſich nur mit dem Rachtheile beſchäf⸗ tigte, den die Eutfliehung von Mina ihrem Hauſe brin⸗ gen konnte,„und ich, Madame, wäre ich Richter, ſo ließe an den Giebel Ihres Penſionnats eine infamirende Schrift ſetzen, welche von dieſem Hauſe alle Mütter abwenden würde!“

„Aber, mein Herr, Ihr Unglück wird ſich nicht mil⸗ dern durch den Schaden, den Sie mir zufügen.“

„Nein; doch der Schaden, den ich Ihnen zufüge, wird verhiydern, daß Anderen ein dem meinen ähnliches Unglück widerfährt.“

„Im Namen der Liebe, die ich für Mina hegte, mein Herr, richten Sie mich nicht zu Grunde!“

„Im Namen des Vertrauens, das ich zu Ihnen hegte, verlangen Sie nichts von mir!“

Es herrſchte im Geſichte von Juſtin eine ſo ver⸗ zweifelte Entſchiedenheit, daß Madame Desmarets ein⸗ ſah, ſie habe nichts von ihm zu erwarten.

Sie ſchien alſo ihren Entſchluß zu faſſen und ſagte mit einer Miene der Reſignation:

„Es wird geſchehen, wie Sie wollen, mein Herr, und ich werde ſtillſchweigend meine Strafe erdulden.“

Juſtin bedeutete mit dem Kopfe nickend, das ſei ſei⸗ ner Anſicht nach das Beſte, was Madame Desmarets thun könne.