Teil eines Werkes 
9.-12. Bdchn (1855)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

176

fuhr der Sterbende fort.„Seit den ſieben Jahren, daß das Verbrechen begangen worden,— nicht wahr, ich muß von einer abſcheulichen Natur ſein?— habe ich nicht einen Augenblick das Gefühl des reinen, iſolirten Gewiſſens⸗ biſſes gehabt. Nein, nein, mitdem Gewiſſensbiſſe alleinhätte ich geſchlafen, ruhig, glücklich vielleicht gelebt; doch die Furcht vor den Gerichten, die Angſt vor der Strafe, das iſt es, was meine Tage beunruhigt, meine Nächte gequält hat!.. Oh! wie oft bin ich in meinen Träumen vor einem Tribunal erſchienen! wie oft habe ich, trotz meiner Bit⸗ ten, meiner Thränen, meiner Ableugnungen das Wort Mörder ertönen hören! wie oft habe ich auf meinem ſchauernden Halſe die Kälte der Scheere gefühlt, die meine Haare abſchnitt, und gebebt bei den Stößen des unſeligen Karrens! wie oft habe ich, in der Perſpective am Horizont, das Eiſen der häßlichen Guillotine fun⸗ keln ſehen!“

„Unglücklicher!“ ſprach der Prieſter, dieſen Men⸗ ſchen, das lebendige Bild der Angſt anſchauend, der, man fühlte es, aus Angſt grauſam werden konnte.

„Darum habe ich mich von Viry verbannt; darum habe ich meinen Aufenthalt in Vanvres genommen; dar⸗ um thue ich das Gute...“

Der Prieſter wandte ſich bei dieſen letzten Worten lebhaft um.

„Ja, ja, mein Vater,“ ſprach der Sterbende,„das Almoſen iſt ein Mantel, mit dem ich mich bedecke, damit man die Blutflecken auf meinen Kleidern nicht ſieht! wer würde es nun wagen, mich aus der Mitte dieſes Gelei⸗ tes von guten Handlungen zu holen, welche um mich her wachen?“

„Derjenige, welcher kommt!“ ſprach Dominique, ſeinen Finger zum Himmel erhebend;—„Gott.“

„Ja, ich weiß es,“ erwiederte der Sterbende,„der⸗ jenige, deſſen man ſich erinnert, wenn man ſterben ſoll; derjenige, welcher das Blut durch den Mantel, das Ge⸗