Teil eines Werkes 
9.-12. Bdchn (1855)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

172

doch Alles in mir war Angſt, Ungewißheit, Chaos, und ich hätte nicht die Geiſtesgegenwart gehabt, um zwei Rechtfertigungsmittel zu combiniren, wäre nicht faſt Alles zum Voraus von Orſola geordnet geweſen; ſelbſt der Tod von dieſer warf auf alle Ereigniſſe der unſeligen Nacht eine noch größere Unbeſtimmtheit und entfernte von mir den Verdacht; meine Anbetung für dieſe Crea⸗ tur war ſprüchwörtlich: man konnte mich alſo nicht be⸗ argwohnen, ich habe zu ihrem Tode beigetragen. Ueber⸗ dies würde der Hund, den man irgendwo todt fände, ein Beiweis ſein, daß ich, da ich nicht zeitig genug gekom⸗ men, um ihr beizuſtehen, ſie gerächt habe.

„Ich hatte an mir keine Spur von dem fürchter⸗ lichen Zeugen, den nichts verſchwinden macht:— das Blut! Mit einigen Anſtrengungen der Vernunft gelang es mir auch, wieder ein wenig Ruhe zu gewinnen.

„Nur, was mich mit Angſt erfüllte, das war die Flucht von Leonie; angenommen aber, Leonie werde ſprechen, ſo konnte ſie nur Orſola anklagen, und Orſola war todt.

„Ich ging in mein Zimmer hinauf, ich verwiſchte alle Spuren von der Orgie des vorhergehenden Tages,

ich verſchluckte mit einem Zuge, was in der Flaſche

blieb, ich brachte meinen Anzug wieder in Ordnung, und lief in aller Eile zum Maire des Dorfes. Das war ein wackerer Mann, ein ſchlichter Bauer, ein Arbeiter, wie ich es auch geweſen, ein Mann, dem dieſe Gemeinſchaft der Arbeiten unſerer Ingend eine große Sympathie für mich, ein tiefes Zutrauen zu mir eingeflößt hatte. Ich trug ihm die Fabel vor, welche Orſola und ich in Be⸗ reitſchaft gehalten hatten, nämlich die zwei Kinder ſeien verſchwunden, und ihre Flucht falle ſo ſehr mit der Ab⸗ reiſe von Herrn Sarranti und dem Diebſtahle der am Tage vorher vom Notar zurückgeholten und aus mei⸗ nem erbrochenen Secretär geraubten hunderttauſend

„—

— 1—