Teil eines Werkes 
9.-12. Bdchn (1855)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

122

und das Schloß zu verlaſſen. Der arme Mann, als er dieſe Kunde erfuhr, die er durchaus nicht erwartete, fiel auf eine Raſenbank und murmelte:

„„Ah! mein Gott! ich glaubte meine Tage hier zu beſchließen!““

„Und er zerfloß in Thränen.

„Victor und Leonie, die den Schmetterlingen nach⸗ liefen, ſahen den Greis weinen und fragten ihn nach der Urſache ſeiner Thränen... Sie liebten den Vater Vin⸗ cent ungemein: dieſer wackere Mann legte für ſie ſchöne Raupen zurück, deren Verwandlungen ihnen Herr Sar⸗ ranti erklärte; er verſah ihre Angeln mit Köder, wenn ſie im großen Baſſin fiſchten; er gab ihnen die erſten reifen Erdbeeren ſeiner Rabatten, die erſten reifen Früchte ſeiner Spaliere... Die Kinder gingen zu Herrn Sar⸗ rauti und erzählten ihm, ich jage ihren guten Freund Vincent weg; Herr Sarranti befragte ſelbſt den Greis und fand ihn in einer tiefen Troſtloſigkeit.

„„Nur die Diebe und die Uebelthäter jagt man weg,“ ſagte der arme Mann,„„und ich habe nie ge⸗ ſn ich habe nie irgend Jemand etwas Böſes ange⸗ than.““

„Dann fügte er bei:

„„Ah! ich werde darüber vor Schaam ſterben!““

„Herr Sarranti hielt den Fall für bedentend genug, um zu mir zu kommen, obſchon er gewöhnlich allen Ein⸗ zelheiten des Hauſes völlig fremd blieb. Zu ſeiner gro⸗ ßen Verwunderung gab ich der Sache eine Wichtigkeit, die ſie nicht zu haben ſchien.

„„Ah!““ ſprach er zu mir,„haben Sie ernſte Gründe, um ſo zu handeln, ſo thun ſie wohl, mein lieber Herr Gérard; dann müſſen Sie aber dieſe Gründe laut ſagen, ſie öffentlich kund thun. Sie, der Sie ein Mann von Verſtand ſind, dürfen nicht als ein Mann von Leiden⸗ ſchaft erſcheinen; Sie, der Sie ein billiger Mann ſind, dürfen nicht als ein ungerechter Mann erſcheinen.““