Teil eines Werkes 
9.-12. Bdchn (1855)
Entstehung
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ſagen, dieſer Gedanke erſchreckte mich nicht im Minde⸗ ſten. Wer war ich denn, um mich für mehr als ſie zu halten? Ein Bauer aus unſeren Bergen, wie ſie eine Bäuerin derſelben war. Ich war reicher als ſie; doch ein Zufall, ein Unglück hatte mich reicher gemacht; ſie war aber ſchöner als ich, und Gott hatte ſie ſchöner gemacht. Sodann, wenn ich als Mitgift das Vermögen brachte, brachte ſie nicht das Glück, das Vergnügen, die Wolluſt? und ich war dahin gekommen, daß ich die Wolluſt als den einzigen Zweck des Daſeins, als das einzige Gut der Schöpfung betrachtete! im Ganzen war es alſo ſie, welche gab, und ich, der empfing.

„Sobald ich das Ziel ihrer Wünſche erſchaut zu haben glaubte, und mir dieſes Ziel nicht übertrieben ſchien, überließ ich ihr, wie ich ihr den materiellen Theil meines Weſens überlaſſen hatte, auch den denkenden Theil deſſelben. Ich erzählte ihr von dem vielfachen Verdruſſe, den mir meine erſte Ehe bereitet hatte, ein Verdruß, an dem ſie lebhaften Antheil zu nehmen ſchien, doch ohne dieſe Gelegenheit zu ergreifen, um mir zu ſagen, eine zweite glücklichere Ehe könne ihn vergeſſen machen. Dieſe Verleugnung verlieh mir Muth: ich war es alſo, den ſie liebte, ich allein, und nicht das Vermögen, das ich ihr bieten konnte, und nicht die Stellung, die ich ihr geben konnte? Ich ließ ſie in mein ganzes Leben ein⸗ treten; ich gab ihr den halben Antheil an meinen koſt⸗ barſten Intereſſen; ich machte ſie zur Verwahrerin mei⸗ ner theuerſten Hoffnungen. Ich ſah, ich dachte, ich ſprach, ich athmete nur durch ſie! Ich war es nun, der ſie ahnen ließ, der ihr zu verſtehen gab, ſie könne Alles von mir fordern; doch ſie ſchien weder zu wünſchen, noch zu begreifen, was ich für den Gegenſtand ihres Trachtens gehalten hatte.

„Es ſollte indeſſen ein Tag kommen, wo ſie ihre Macht verſuchen und ihren Willen energiſch offenbaren würde.