Teil eines Werkes 
9.-12. Bdchn (1855)
Entstehung
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als vermuthete ſie, daß ſie mich ganz erſtaunt über ihr Zartgefühl zurückließ, wie ſie mich ein ander Mal ganz erſtaunt über ihre Schönheit zurückgelaſſen hatte.

„Von dieſem Tage an war das Loos meines Lebens eniſchieden, und ich gehörte dieſer Frau. Sie ihrerſeits, als ſie ſah, daß ich ſie, ſtatt ihr fortwährend Befehle zu geben, wie man es bei einer Dienerin thut, mit Auf⸗ merkſamkeiten umgab, wurde zurückhaltender, ſowie ich ehrerbietiger wurde. Sie hatte, ſeitdem ſie im Hauſe war, frei, offen und keck geſprochen und mich in ihrem Patois angeredet, ſo oft ſich die Gelegenheit dazu bot; nun ſprach ſie kaum mit mir, und immer in der dritten Perſon; ſchüchtern, beinahe furchtſam geworden, zitterte ſie beim erſten Worte, erröthete ſie bei der erſten Ge⸗ berde. Hatte ſie Kenntniß von der Begierde, die ſie mir einflößte, und ſtellte ſie ſich, als wüßte ſie nichts davon? Zu jener Zeit wäre es mir unmöglich geweſen, es zu ſagen; ſeitdem konnte ich ſehen, welche wunder⸗ bare Komödiantin dieſe Frau war, und mit welcher Kunſt ſie auf ihr Ziel zuſchritt!

„Der Kampf dauerte ungefähr drei Monate.

„Während dieſes Zwiſchenraumes kam mein Namens⸗ tag, und Gertrud hatte den Gedanken, eine Feierlichkeit daraus zu machen. Am Abend wurden die Kinder mit prächtigen Sträußen zum Deſſert gebracht; hinter den Kindern war Sarranti, der mir die Hand reichte; dann kamen Jean und der Gärtner, um mir auch ihre Glück⸗ wünſche auszuſprechen. Ich küßte alle Welt, Kinder und große Perſonen, Profeſſor und Dienſtboten, und zwar, weil ich dachte, Orſola werde auch erſcheinen, und ich werde ſie küſſen wie die Anderen. Sie trat zuletzt ein, und ich gab einen Schrei von mir, als ich ſie erblickte.

„Sie war gekleidet in ihre Tracht einer Gebirgs⸗ bewohnerin, mit dem rothen Halstuche um den Kopf, den Leib von ſchwarzem Sammet mit Gold,— etwas