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Das Warten währte nicht lange: fühlte der Kranke, daß ſeine Stärke wiederkehrte oder befürchtete er im Ge⸗ gentheile, was ihm an Kraft blieb, werde ihn ganz und gar verlaſſen, er fuhr fort:
„Ich kam allein in das Schloß zurück, das nun verödet war, denn die Kinder hatten es, von Jean und Gertrud weggeführt, verlaſſen, und Herr Sarranti hatte ſich auch entfernt, um ihnen nachzufolgen. Ich war düſter und betrübt: ich hatte eine tiefe Trauer, nicht nur an den Kleidern, ſondern auch im Herzen: eine Trauer zugleich um meinen Bruder, und um fünf und vierzig Jahre der Ehre, welche ſterben ſollten! Ich hätte den Weg nach dem Schloſſe vergeſſen, wäre ich nicht durch das ſchmerzliche Geheul von Braſil geleitet worden. Man ſagt, die Hunde ſehen den unſichtbaren Gott, den man den Tod nennt, und wenn die ganze
Natur bei ſeinem Vorüberziehen ſchweige, ſo begrüßen
ſie ihn allein mit ihrem unheimlichen prophetiſchen Ge⸗ heul. Das Geſchrei des Hundes konnte an die Wahr⸗ heit dieſer düſteren Legende glauben machen. Glücklich, ſelbſt bei einem Thiere einen Schmerz zu finden, der dem meinigen entſprach, ging ich auch auf den Hund zu, wie ich auf ein menſchliches Geſchöpf, auf einen Freund zugegangen wäre.
„Doch kaum hatte mich Braſil erblickt, als er nicht auf mich zulief, ſondern in der ganzen Länge ſeiner Kette, mit glühenden Augen, blutiger Zunge und gie⸗ rigen Zähnen, gegen mich losſtürzte. Ich bekam Angſt vor dieſem Zorne, ohne ihn zu begreifen; ich liebkoſte gewöhnlich den Hund nicht, ich mißhandelte ihn aber auch nicht. Er liebte unendlich meinen Bruder und die Kinder. Warum dieſer Haß gegen mich? Der Inſtinct hat alſo zuweilen die Oberhand über den Verſtand.
„Ich ging immer weiter nach dem Schloſſe. Hier griff ein anderes Geräuſch mein Ohr an: in dieſem Schloſſe, aus dem man ſo eben eine Leiche weggebracht,


