Teil eines Werkes 
9.-12. Bdchn (1855)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

78

„Setzen Sie ſich, mein Vater,“ ſprach der Ster⸗ bende im Tone der Bitte.

Dominique ſetzte ſich auf ſeinen Stuhl.

„Mein Vater,“ ſprach Herr Gérard,„ich bitte Sie nun um des Himmels willen, ärgern Sie ſich nicht über die Fragen, die ich an Sie machen werde, und verſpre⸗ chen Sie mir beſonders, mich nicht zu verlaſſen, bevor Sie meine ganze Beichte empfaugen haben... Es wird genug ſein, wenn ein ſolches Geheimniß in einem einzi⸗ gen Herzen verwahrt iſt.“

„Reden Sie.“

„Sie kennen beſſer als ich die Dogmen der Kirche, zu der Sie gehören, mein Vater...“

Herr Gérard hielt inne.

Dann, nach einem kurzen Zögern:

„Mein Vater, glauben Sie an ein anderes Leben?“

Der Prieſter ſchaute den Sterbenden mit einem Ausdrucke an, der an die Verachtung grenzte.

„Wenn ich nicht an ein anderes Leben glaubte,“ erwiederte er,„würde ich dann wohl das Kleid, das ich trage, angethan haben?“

Herr Göérard ſtieß einen Seufzer aus; der Domi⸗ nicaner hatte ihm in der That den Beweis vom Um⸗ fange ſeines Glaubens gegeben.

„Ja, ich begreife,“ ſagte er;„doch glauben Sie, mein Vater, in dieſem andern Leben finde der Menſch die Belohnung ſeiner Tugenden und die Beſtrafung ſei⸗ ner Verbrechen?“

„Wozu würde es ſonſt nützen?“

„Und glauben Sie, mein Vater, die Beichte ſei durchaus nothwendig für die Vergebung unſerer Sünden, und die Verzeihung Gottes könne auf ein ſchuldiges Haupt nur durch die Vermittelung ſeines Dieners her⸗ abſteigen?“

„Die Kirche verſichert uns das, mein Herr.“

—

——