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mit ein wenig dicken Lippen, einem Zeichen von Näch⸗ ſtenliebe.
Was das Alter betrifft, ſo hatte er nicht hienach gefragt, und er bekümmerte ſich nichts darum: es ſchien ihm, die Guten ſeien ſchön, und da jedes Alter, ſelbſt das Greiſenalter, ſeine Schönheit habe, ſo werde Herr Gérard die Schönheit ſeines Alters beſitzen.
Beim Anblicke von Herrn Gérard war aber Alles Tänſchung für den Prieſter geweſen; hievon dieſes Beben, das er nicht hatte bemeiſtern können, und dieſe Starr⸗ heit des Blickes, welche in den Geiſt des Beichtigers ſelbſt die geringſten Züge vom Geſichte des Sterbenden einge⸗ graben hatte.
Dieſer war ein Mann von fünfzig bis fünfundfünfzig Jahren, mit niedriger, ſchmaler Stirne, obgleich der vorne kahle Schädel ſich wenigſtens ſcheinbar durch den Mangel an Haaren hätte ausbreiten müſſen; die kleinen, tief liegenden, trüb grauen Angen verſchwanden vonZeit zu Zeit unter blin⸗ zelnden und, ſei es durch die gegenwärtige Schlafloſigkeit, ſei es durch frühere Exceſſe, gerötheten Augenlidern; die dicken ergrauenden Brauen, aus deren Mitte gerade, ſtarre Haare gar zu unverhältnißmäßig vorſtanden, verbanden ſich in der Linie der Naſe und bildeten über den Augen einen Bogen von übertriebener Ausdehnung; die Naſe war dünn, ſchneidend; der Mund groß mit flachen, blei⸗ chen Lippen; was dieſes Geſicht mit der zurücklaufenden Stirne viel mehr einem Geierskopfe, als einem menſch⸗ lichen Geſichte ähnlich machte.
Welche Veränderung, welche Entſtellung auch die Krankheit im Geſichte des Sterbenden hervorgebracht hatte, es war leicht, daſſelbe wiederherzuſtellen, und ſtellte man es wieder her und gab ihm den Ausdruck der Geſundheit, ſo mußte ein Phyſiognomiker betroffen ſein von der Gemeinheit der Seele und der Niederträch⸗ tigkeit des Herzens, welche das Geſammtweſen dieſer Phyſiognomie entſchleierte.


