64
„Sie fragen mich, ob er reich ſei?“
„Das frage ich Euch.“
„Herr Gérard hat ſo viel Geld, daß er die Summe nicht weiß.“
Er bewohnte einſt, wie man ſagte, ein herrliches Gut bei Fontainebleau, das er in Verfall gerathen ließ wegen der Unglücksfälle, die ihn dort betroſſen. Vor⸗ mund von zwei reizenden Kindern, ſah er dieſe eines Tags beide verſchwinden, ohne daß er je Nachricht über ſie zu erhalten vermochte; der Geliebte einer Frau, die er anbetete, fand er an einem andern Tage, als er nach Hauſe kam, dieſe Frau von einem Neufundlands⸗ hunde ervürgt, der wahrſcheinlich, ohne daß man es bemerkte, wüthend geworden war.
Dieſe Reihenfolge entſetzlicher Unglücksfälle, welche wahrſcheinlich jedem Anderu, als ihm, einen Abſcheu gegen das Menſchengeſchlecht beigebracht hätte, ſteigerte im Gegentheil ſeine Chriſtentugenden, die er bis zur erhabenſten Nächſtenliebe und zur aufopferndſten Hin⸗ gebung übte, und die ihn zum Beiſpiele der Philanthro⸗ pen und zum Idole der Bevölkerung machten.
Er war um das Jahr 1821 oder 1822 nach Vanvres gekommen, in der Abſicht, ſich hier niederzulaſſen. Er hatte mehrere verfügbare Häuſer beſichtigt, ohne eines zu finden, das ihm zuſagte; endlich hatte er ſich für das beſtimmt, welches er bewohnte. Anfangs hatte man ſich geweigert, es ihm zu geben; Herr Gérard hatte aber einen ſo ortheilhußen Preis geboten, daß der Eigen⸗ thümer, obgleich er es für ſich ſelbſt gebaut, ihm das Haus abgetreten hatte.
Von da an bewohnte Herr Gérard, wie geſagt, dieſes Haus, in welchem er zugleich wie ein Heiliger und wie ein Fürſt lebte: wie ein Heiliger, wegen ſeines regelmäßigen, ſittlichen Betragens; wie ein Fürſt, we⸗ gen der Almoſen, die er um ſich her ſpendete. Von ſeiner Ankunft an warin der That Vanvres auf einen Weg


