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Bei jeder Bewegung hielt ſie Colombau zurück; in dem Augenblicke, wo er ſie zu ſehen aufhören ſollte, hatte er ſie nicht genng geſehen: er wollte ſie noch mehr ſehen.
Gegen neun Uhr Abends kam Carmelite auf den Gedanken, ſich ans Klavier zu ſetzen und zu ſingen... Im Alterthum, wenn die Schwäne ſangen, ließen ſie auch ihre Stimme in der Stunde des Todes hören.
Nie waren der Schrei des Schmerzes, nie die Hymne der Freude durch einen ſolchen Geſang wiedergegeben worden! nie hatte die Stimme von Carmelite, deren Umfang von der tieſſten Saite bis zu der höchſten ging, ſolche Wunder vollbracht. Gott gab ihr, wie es ſchien, um von der Welt, die ſie verließ, Abſchied zu nehmen, um die zu begrüßen, in welche ſie eintrat, Töne der Klage und der Glückſeligkeit, denen jener gefallenen Engel ähnlich, welche, nach einer langen Verbaunung auf die Erde, durch die nnendliche Barmherzigkeit des Herrn nach dem Himmel, ihrem erſten, ihrem einzigen, ihrem wahren Vaterlande, zurückberufen ſind.
Endlich müde, die Räume ohne Gränzen zu durch⸗ laufen, wo die Wirklichkeit ſchwebt, wo der Traum ſich verirrt, exloſch die Stimme wie ein melodiſcher Seufzer, der lange noch, nachdem er erloſchen, im Herzen des jungen Mannes vibrirte.
Colombau hatte ſich Carmelite genähert, ſo daß dieſe, als die Sterbeimproviſation vollendet war, ihren Kopf auf ſeine Schultern und ihre beiden Hände in ſeine Hände fallen ließ.
Das Klavier war wieder ſtumm geworden, wie ein Leichnam, deſſen Seele entflogen iſt.
Es herrſchte in der Dunkelheit ein langes Still⸗ ſchweigen nur unterbrochen durch den vermiſchten Athem der zwei jungen Leute.
Plötzlich ſchlug die Pendeluhr.
Jedes zählte für ſich die Klänge des Erzes.
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