Teil eines Werkes 
9.-12. Bdchn (1855)
Entstehung
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meinen einzigen Schatz: meinen weißen Roſenſtock, wenn er nicht etwa mit uns ſtirbt; Ihr werdet ihn eine nach der andern pflegen, Ihr werdet die Blumen davon auf⸗ bewahren, und am 15. Mai, an meinem Geburtstage, entblättert Ihr ſie gemeinſchaftlich auf meinem Grabe.

„So habe ich, in einer Frühlingsnacht, alle meine

Frenden auf dieſer Welt entblättert. „Ihr werdet mir Verzeihung bei der Frau Ober⸗ vorſteherin erlangen. Sie nannte mich, erinnert Ihr Euch deſſen? ihren ſchönen roſenfarbigen Vogel; Ihr werdet ihr ſagen, das Blei des Jägers fürchtend, ſei ihr ſchöner roſenfarbiger Vogel zu den azurblauen Wäldern aufgeſtiegen.

„Ihr werdet bei mir dieſen Brief finden; unter Eurer Adreſſe wird eine Symphonie darauf gelegt ſein, die ich componirt habe.

„Ich glaube, ich hätte eine große Künſtlerin wer⸗ den können.

„Dieſes Muſikſtück iſt Euch Dreien gewidmet, denn ich dachte an Euch, indem ich es ſchrieb. Es iſt betitelt« Die Nachtigallenbrut.

„An einem Tage in dieſem Sommer ſah ich vom Baume ein Neſt von Nachtigallen fallen, die das Ge⸗ witter erſtickt hatte;— es gibt einen Blitz für die Vö⸗ gel, wie für die Menſchen.— Däs iſt der Gegenſtand meiner Symphonie, die Ihr zum Andenken an mich ſtu⸗ diren und ſpielen werdet.

„Arme Vögelchen! ſie ſind das Bild der Illuſionen, die ich mir mein ganzes Leben gewünſcht habe, und die, kaum erſchloſſen, immer wieder geſtorben ſind.

„Zum letzten Male Gott befohlen, meine Schweſtern, denn unwillkürlich, ich fühle es, befeuchten ſich meine Augen mit Thränen, und fielen dieſe Thränen auf mei⸗ nen Brief, ſo würden ſie die Worte des Glückes, die ich geſchrieben, verwiſchen.

„Gott befohlen, meine Schweſtern!

„Carmelite.“