18
dieſes Jahrhunderts vier Millionen Menſchen geſtorben ſind,— geopfert ein paar Ruthen Landes, Gränzen ge⸗ nannt, und dem Rufe eines Mannes, den man einen Eroberer nennt,— ſollte ich mich fürchten, mir ſelbſt und der Frau, für die und mit der ich ſterbe, die paar Tage zu weihen, die mir bleiben? Das wäre, Sie müſſen es zugeſtehen, mein Bruder, unſinnig, albern, unlogiſch, in der phyſiſchen Ordnung, wie in der moraliſchen Ordnung.
„Dies für den Prieſter, Denker und Philoſophen; für den Prieſter, der, da er weiß, was ich gelitten, für mich zu Gott ſeine reinen Hände und ſeinen von jeder Leidenſchaft freien Geiſt erheben wird; für den Prieſter, der, ſo wenig chriſtlich unſer Tod auch iſt, nicht erlauben wird, daß unſere zwei Leiber ohne ein Gebet oder wenig⸗ ſtens ohne ein Gottbefohlen ins Grab ſinken.
„Nun für den Freund:
„Guter Dominique, theurer Freund meines Herzens, morgen früh, ſobald Du dieſen Brief empfangen haſt, wirſt Du nach dem Bas Meudon abgehen; Du kennſt das Haus, das ich bewohne: Du wirſt eintreten und auf demſelben Bette liegend die Leichname von einem jungen Manne und einem Mädchen finden, welche ge⸗ ſterben ſind, damit ſie weder vor den Menſchen, noch vor Gott über ſich ſelbſt zu erröthen haben.
„Theurer Freund, Dir allein vertraue ich die letzte Sorge für unſere Beerdigung.
„Wir konnten nicht mit einander in dieſer Welt leben“ wir konuten weder daſſelbe Leben leben, noch auf demſelben Lager ſchlafen; wir wünſchen wenigſtens in demſelben Sarge in der Ewigkeit zu ruhen.
„Lieber Dominique, Du wirſt alſo einen Sarg ma⸗ chen laſſen, der groß genug, daß man uns neben ein⸗ ander dareinlegen kann; Du wirſt die letzten Blumen von dem Roſenſtocke pflücken, den Du in unſerem Zimmer findeſt, und Du wirſt ſie auf uns entblättern; dann wird
zwe ter
Bri


