„Carmelite! Carmelite! ich höre Sie, und Ihr Hauch verſengt mich, und Ihre Worte verzehren mich!“
Er entriß ſich durch eine Anſtrengung dieſer Zauber⸗ macht, entfernte ſich ganz wankend von Carmelite und rief:
„Meine Schweſter! meine Schweſter! unſere Schuld iſt gleich! bitten wir Gott, daß wir ſie ſühnen, um die⸗ ſelbe Stärke und dieſelbe Reſignation.“
„Was nennen Sie Reſignation, mein Freund?“ „Sie verſtehen mich wohl, Carmelite!“
„Nein, bei meiner Seele, ich verſtehe Sie nicht. Wollen Sie zufällig damit ſagen, ich werde Camille heiratben?“
„Es muß wohl ſein.“
„Daß ich Camille heirathe, mit Ihrer Liebe im Her⸗ zen, und Ihre Liebe kennend?“ 8
„Es muß ſein! es muß ſein!“ rief Colombau mit dem Ausdrucke der Verzweiflung.
„Und warum muß es ſein? Sagen Sie, Colombau, vor wem bin ich denn verantwottlich für meine Liebe in dieſer Welt? Ich bin, Gott ſei Dank! allein und folg⸗ lich einziger Richter und oberſter Schätzer meines Be⸗ nehmens.
„Sie irren ſich, Carmelite: die Geſellſchaſt iſt der Schätzer Ihres Benehmens, und Gott iſt Ihr oberſter Richter.“
„Und wie kann die Geſellſchaft,— ich möchte wohl, daß Sie mir das erklären würden, Colombau,— wie kann die Geſellſchaft mich zwingen, das Unglück von zwei Menſchen und das meine zu machen, indem ich den⸗ jenigen, welchen ich nicht liebe, zum Nochtheile deſſen, welchen ich liebe, heirathe? Wie kann mir Gott als eine Pflicht eine Handlung auferlegen, welche nicht nur meinem Herzen, ſondern ſogar meinem Gewiſſen wider⸗ ſtrebt? Habe ich die Geſetze der Geſellſchaft zu Rathe gezogen, als ich fehlte? Als ich am Rande des Ab⸗
grundes, in deſſen Tiefe Camille und der Schmerz


